Klettern Mentaltraining Titelbild

Mentaltraining und Klettern. 6 Tipps die wirklich funktionieren.

In meinem Bücherregal finden sich immer mehr Bücher über mentales Training im Klettersport. Wer nicht gleich ein ganzes Buch darüber lesen möchte, für den habe ich hier das wichtigste zusammengefasst. 

Was bringt Mentaltraining im Klettersport?
Nicht nur aufgrund der objektiven Gefahren (Höhe, Steinschlag, Sicherungsfehler) ist die mentale Herausforderung des Klettersports größer als bei vielen andern Sportarten.

Mentales Training hilft effektiv im Umgang mit limitierenden Faktoren wie: Sturzangst, Versagensangst und negativen Gedankenmustern.

Ein paar praktische Hinweise wirken oft Wunder und heben Deine mentale Stärke und Dein Kletterniveau schnell auf das nächste Level.

Mentaltraining Klettern

Der schnellste Weg um Deine Leistung zu steigern führt über die Psyche, sprich die Qualität Deiner Gedanken.

Fast nirgendwo bekommen wir die Rechnung einer schwachen Psyche oder negativer Gedanken so eindrücklich präsentiert wie beim Klettern. 

Kletterprofis nutzen Mentaltraining

Im Profisport geht nichts mehr ohne Mentaltraining, jeder kann davon profitieren egal ob an der Kletterwand oder im Berufsleben.

Der Aufwand ist minimal die Auswirkungen maximal. Im Folgenden beschreibe ich die besten 6 plus 3 zusätzliche Methoden um Deinen Geist zu stärken. 

Du willst besser klettern? Dann kommst du nicht daran vorbei Deine Psyche genauso zu trainieren wie deine Fingerkraft.

6 Mentaltraining-Tipps für Kletterer


1. Komfortzone

“Lernen ist wie rudern gegen den Strom. Hört man auf, treibt man zurück” Laozi

Lernen findet nur statt, wenn Du den Mut hast Deine Komfortzone zu verlassen, um etwas Neues, etwas vorher unbekanntes zu konfrontieren. Das Unbekannte wird transformiert und aufgenommen, es wird zum Bekannten, zum Verstandenen und führt unweigerlich zu Wachstum.

Komfort Zone Sturzangst Klettern

Wer sein volles Potential ausschöpfen will (egal in welchem Bereich), muss sich der Angst vor dem Unbekannten stellen.  

Im Klettersport heißt das weiter zu klettern wenn die Arme gepumpt und die Psyche Unwohlsein signalisiert; es heißt die Herausforderung anzunehmen obwohl Du Angst verspürst; es heißt das zu versuchen was vorher unmöglich erschien.

Grenzen verschieben – Mentaltraining
Durch das Verlassen der Komfortzone wirst Du Deine Grenzen verschieben, Deine Fähigkeiten auf ein neues Level heben, Dein Selbstvertrauen steigern und Deine persönliche Meinung, von dem was möglich ist und was nicht, neu definieren. 

Comfort Zonen die wir alle kennen:

  • Klettern oder Bouldern unter Deinem Limit. Willst du besser werden mache es zu einer Gewohnheit Routen an und über Deinem Limit zu klettern. Sturztraining wird Dir dabei bestimmt gute Dienste leisten.
  • Nur Routen/Boulder die Dir liegen. Keinen Bock auf Überhang, Platten oder Kamin? Werde zu dem der sich überall wohl fühlt und Spaß am Klettern hat. Egal welcher Fels und welche Art der Kletterei, nimm die Herausforderung an, lerne neue Bewegungsmuster und verbessere Deine Technik. 
  • Geliebte Griffe. Leisten, Aufleger, Zangen, Untergriffe, Seitgriffe… Such dir jene Routen aus die mit ungeliebten Griffen nur so gespickt sind. Kraft und Selbstvertrauen wachsen mit jeder neuen Challenge.
  • Stürze. Sturzangst hält viele von uns in der Comfort Zone gefangen.Sturztraining ist der mir einzig bekannte Schlüssel nach draußen. Mehr dazu auf meinem Artikel über Sturztraining.

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2. Fokus – Mentaltraining Klettern

Die Fähigkeit sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, das Ausblenden von allem Unwichtigem hat maßgeblichen Anteil an der Kletterleistung. Fokus erlaubt uns, unsere gesamte Aufmerksamkeit auf jene Dinge zu richten die im Moment wichtig sind.

Wie ein Laser richten wir unseren Blick auf den nächsten Griff und unsere gesamtes Wesen lebt nur für diesen einen Moment.

Mentaltraining klettern fokus
Gedanken an den Steuerausgleich? …wohl kaum.

Fokus auf das Wesentliche
Wandert die Aufmerksamkeit weg vom Moment ist es vorbei mit dem “Flow” und plötzlich denkt man ans Stürzen, an den Kletterpartner oder ans Essen. In solchen Fällen rate ich: bringt den Fokus wieder an die Wand, konzentriert Euch auf das Unmittelbare.

Konzentriert Euch auf die Atmung und auf den jeweils nächsten Zug. Zu weites Vorausdenken in der Route ist kontraproduktiv. Es bringt nichts an die zweite Crux zu denken, wenn Du noch mit der ersten beschäftigt bist.

  • Über die Atmung lässt sich der Fokus am zuverlässigsten wiederfinden. Atme bewusst und fokussiere dich auf die nächste Bewegung. 
  • Gehe Schritt für Schritt vor und denke nicht zu weit voraus. 
  • Let the body climb. Hör auf Deinen Körper und vertraue ihm. Blende alles Unwichtige aus und gib Dich den Bewegungen hin. Deine Chancen auf Erfolg stehen besser, wenn Du nicht in Wörtern und Sätzen denkst sondern der Intelligenz deines Körpers vertraust und intuitiv kletterst. 

Um Fokus und Konzentration zu trainieren eignet sich…-Trommelwirbel- ganz genau: Meditation. Dabei übt man, sich nicht von unwichtigem Gedanken-Wirrwarr ablenken zu lassen. Ihr schult dabei die Fähigkeit nicht jedem Gedanken nachzujagen, lasst sie stattdessen einfach weiterziehen wie Wolken am Himmel. Klingt gar nicht so spirituell, ist es auch nicht.

Meditation ist handfestes Mentaltraining für mehr Fokus beim Klettern, Bouldern und Liebesspiel. 

Du möchtest Deine Klettertechnik verbessern? Hier gibts 25 Klettertechnik-Tipps zum nachlesen und lernen. Die Klettertechniken werden durch Bilder und Videos anschaulich und leicht nachvollziehbar dargestellt.


3. Nimm den Druck raus

Hierbei geht es um den Zusammenhang von Selbstwert/Selbstbild und der erbrachten Leistung. Wenn das Selbstbild zu eng mit der Kletterleistung verschmolzen ist, kann (im schlimmsten Fall) eine “schwache” Kletterleistung den ganzen Tag ruinieren. Die Kletterleistung gewinnt enorm an Wichtigkeit und damit steigt auch der Druck (den man sich übrigens selbst auferlegt). 

Falsches Selbstbild auflösen
Nun ist diese Verschmelzung von Selbstbild und Leistung nicht bei jedem so stark ausgeprägt, aber in abgeschwächter Form kommt sie häufig vor. Mit Leichtigkeit und geschmeidigem Klettern ist es dann vorbei, die Bewegungen wirken steif, abgehackt und sind extrem kräfteraubend. 

Nimm den Druck raus… und zwar bewusst. Nimm dir vor der Route eine Minute lang Zeit, setz dich hin und löse dich von deinem Selbstbild. Klettere aus der Freude am Klettern. Konzentriere Dich auch den Prozess (das spüren der Bewegung)  und nicht auf das Endresultat. 

Klettern als Spiel
Egal was andere (oder du Selbst) über dich denken, geh spielerisch an die Sache heran, löse Dich von starren Bewegungs- und Gedankenmustern und probiere mal was Neues. Du wirst schlagartig befreiter und besser klettern.

Klettern-abnehmen-spaß
Genieße Dich und Deine Umgebung

Es geht nicht darum einen bestimmten Grad oder Route zu klettern, sondern darum etwas zu lernen.
Wenn Du es schaffst konstantes Lernen und Wachstums zu Deinem Hauptziel zu machen, kannst Du in jeder Route erfolgreich sein. Besonders von jenen Problemen, die Du nicht auf Anhieb schaffst, wirst Du langfristig am meisten profitieren.

Mentaltraining hilft schnell und zuverlässig – Aber…
weil genügend Fingerkraft auch nicht schaden kann, haben wir für Dich die besten Trainingsboards getestet. Alle Infos auf unserem aktuellen „Hangboard Test„.

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Fingerkraft – Trainingsboards

4. Umgib dich mit positiven Leuten

Mentaltraining positiv Klettern
Ein positives Umfeld macht Spaß und fördert die Leistung.

Wie schon erwähnt sind eine positive Einstellung und positive Gedanken unabdinglich um sich beim Klettern (oder irgendwo) zu verbessern. Ganz klar und logisch aber, wie mach ich das genau? 

Negative Menschen sind Energiesauger
Eine ziemlich sichere Methode um negative Gedanken zu kultivieren sind negative Menschen und ein negatives Umfeld. Jeden Menschen umgibt eine gewisse Aura, und etwas dieser Aura färbt immer auf andere Menschen in der direkten Umgebung ab.

Unsere Gedanken und Taten haben einen Effekt auf unsere Umwelt.
Wenn Du dir das Leben nicht schwerer machen willst als es ist, dann lass dich nicht von irgendjemanden runterziehen.

Wer will schon mit einem negativen, nörgelnden und zynischen Menschen klettern gehen. Umgebt Euch mit positiven, aufmunternden und motivierten Leuten und es wird euch selbst leicht fallen positiv zu sein.

Wer „Positiv“ sät wird „Positiv“ ernten
Wenn Ihr gute Leute in Euer Leben ziehen wollt, dann ist die beste Einladung dazu selbst ein guter, positiver und lebensfroher Mensch zu sein. Entscheide dich immer wieder aufs Neue dafür dieser Mensch zu sein, und akzeptiere keine “Runterzieher” am Fels oder in der Halle. 


5. Visualisieren – Mentaltraining Klettern

Mentaltraining Klettern Visualisieren

Klettern ist ein sehr technischer Sport der mit steigendem Schwierigkeitsgrad extreme Präzision erfordert. An winzigen Griffen in einer überhängenden Wand kletternd, ist kein Platz für grobmotorische und unpräzise Bewegungen.

Jeder Zug und jeder Tritt sitzen perfekt und die vielen einzelnen Bewegungen fügen sich am Ende zu einem genialen Durchstieg mit “Flow-Gefühl” zusammen. 

Visualisieren eignet sich fantastisch für das Erinnern und Üben der einzelnen Züge beim Bouldern und Klettern. Jeder einzelne Top Athlet nutzt bewusstes Visualisieren. Wer besser klettern will kommt daran nicht vorbei, Punkt. 

Was passiert beim Visualisieren?

Allein das lebhafte Vorstellen (Visualisieren) von bestimmten Bewegungen oder Situationen aktiviert genau dieselben Gehirnregionen wie die tatsächliche Aktivität.

Visualisieren als „echtes“ Training
Das heißt unser Gehirn macht keinen Unterschied zwischen “Echt” und der bloßen Vorstellung davon. Gehirn und Nervensystem durchlaufen alle, mit der Bewegung verbunden Prozesse, als ob sie wirklich passieren würden. 


Buchempfehlung: Mastermind – Mentales Training für Kletterer und Boulderer. 
Ein mit praktischen Tipps und Tricks gespicktes Buck von Kletterlegende Jerry Moffatt.


Visualisieren hilft die Route schneller, präziser und kraftsparender zu klettern.
Aufgrund von körperlichen Limitationen hat jeder nur eine bestimmte Anzahl von Kletterversuchen bevor völlige Ermüdung eintritt. Das Klettern im Geiste ermöglicht es den Trainingsumfang erheblich zu steigern. 

Alle Top-Atleten Visualisieren
Profis wie Adam Ondra investieren viel Zeit (bis zu 1h) mit Visualisation bevor sie in eine Kletterroute einsteigen. Visualisieren ist ein mächtiges Tool und sollte neben Gurt und Kletterschuhen zur Standartausrüstung eines jeden Klettersportlers gehören.  

Kletter-Perspektiven des Visualisierens

Mentaltraining Visualisieren

 Perspektiven des Visualisierens. Abb. aus Birrer, Morgan, Ruchti (2010:15).

Innere Perspektive

Du stellst Dir das vor, was Du während des Klettern siehst.
Wie Deine Hand den Griff ansteuert, wo Du Deinen Fuß platzierst, wie Du das Seil zum klippen hochziehst etc. 

Äußere Perspektive

Du wanderst aus Deinem Körper und siehst Dir aus der Distanz selbst beim Klettern zu. Als ob Du ein Video von Dir siehst. 

Tipp: Lass Dich beim Klettern einer schwierigen Route filmen. Klettere die einzelnen Passagen und nutze das Videomaterial für Deine Visualisation. 

Innen vs. Aussen
In diesem Video wird eine der schwersten Routen in China geklettet, das besondere an der Aufnahme: ein ständiger Wechsel zwischen Innerer- und Äußerer-Perspektive.

Kinästhetisch

Stell Dir vor wie sich die Bewegungen anfühlen. Spüre Deine Fingerspitzen wie sie sich in die Leiste krallen, wie der Sloper Reibung an Deinen Handflächen erzeugt, wie Du Dich mit dem linken großen Zeh an die Wand ziehst um Deinen Körperschwerpunkt nahe an die Wand zu bringen etc. 

Kominiere alle 3 Perspektiven
Versuche Dir alles bis ins kleinste Detail vorzustellen und zu spüren. Kombiniere die kinästhetische Vorstellung immer mit den beiden anderen und wechsle je nach Bedarf zwischen innerer und äußerer Perspektive hin und her. 


Visualisieren Tipp 1:
Stell dir den gesamten Prozess vom Einbinden bis zum Ablassen lebhaft vor.
Gehe jeden Zug durch , fühle die Beschaffenheit der Griffe und des Gesteins, wie und wann Du die Expressen einhängst, chalken, ausschütteln in Rastpositionen, wie Du Dich stöhnend durch die Crux kämpfst und Dich geschmeidig von Griff zu Griff bis zum Umlenker bewegst.

Tipp 2:
Beobachte Boulderer und Kletterer die besser sind als Du, und lerne. Schau ihnen ganz genau zu wie sie sich bewegen, wo sie greifen und steigen, wann sie Spannung aufbauen und wie sie Ihren Körper positionieren. Präge dir die Bewegungsabläufe ein und visualisiere jede Position. 

Tipp 3:
Visualisiere in einem entspannten Zustand.
Klettere deine Projektroute im Geiste durch. Mach es dir zu einer Gewohnheit, abends vor dem Einschlafen zu visualisieren. (Vor und nach dem Nickerchen haben sich bei mir bewährt) 

Tipp 4:
Dran bleiben und weiterüben auch wenn es anfangs schwer ist.
Sollte es Dir noch recht schwer fallen die Vision aufrecht zu erhalten, lass Dich nicht entmutigen, das ist ganz normal. Deine Vorstellungskraft wird mit jedem Male stärker und Du kannst sie trainieren wie einen Muskel.  Visualisiere anfangs nur kurze Sequenzen und hab Freude dabei. Wenn du erstmal am eigenen Leibe spürst wie genial visualisieren ist wirst Du automatisch besser werden.


Man lernt nie aus – das gilt auch fürs Klettern. Auf unserem Artikel „Boulder & Kletter-Technik Übungen. Die 16 besten Übungen!“ wirst Du garantiert was Neues lernen und so Deine Klettertechnik verbessern.


6. Self talk – Mentaltraining Klettern

Klettern Mentaltraining Einstellung
Negativer Selftalk
Mentaltraining besser klettern
Positiver Selftalk

Die Art wie Du redest und worüber Du redest spiegelt deine Gedanken wieder. Deine Gedanken werden deine Kletterleistung beeinflussen. Positiv oder negativ. 

Achte darauf wie dein Self-talk vor einer Route aussieht . Oft sind wir uns nicht darüber bewusst was wir den ganzen Tag über so vor uns hindenken. Probiert es aus und belauscht euch selbst, wenn Ihr im Klettergarten oder in der Halle vor einem für euch schwierigen Projekt steht. (Gilt übrigens auch abseits des Kletterns). 

Bedrückende Worte und Phrasen werden zu Glaubenssätzen und wir schleppen sie, völlig unbewusst, oft schon seit der Kindheit mit uns rum.

Im Bezug auf das Klettern wirken sich negative Gedanken wie eine Bleiweste aus. Sie ziehen Dich nach unten. 

Beispiele für negatives Selbstgespräch
Ich bin zu müde, ich bin zu schwach, es ist zu heiß, ich fühle mich nicht gut, ich hätte nicht so viel essen sollen, ich krieg den einen Zug nicht hin, ich verbrauche zu viel Energie an der einen Stelle, ich habe zu wenig Ausdauer, Maximalkraft, Fingerkraft, bin zu Unbeweglich, die Route liegt mir nicht…

Selbstgespräch verbessern in 3 Schritten:

Schritt 1: Identifiziert Energiesauger

Achtet bewusst auf jene Sätze, Phrasen und Wörter die euch Energie entziehen. In denen Ihr Euch schlechter macht als Ihr seid, in denen Ihr Euch in irgendeiner Weise runterspielt.

Schritt 2: Ersetzten durch Positive Phrasen

Ich kann das, ich bin stark, voller Energie, ich bin bereit, Ich habe alle Bewegungen drauf, ich finde immer eine Lösung auch in kniffligen Situationen, Ich finde immer eine gute Rastposition, tiefe Atmung ist meine Stärke, ich bleibe entspannt in schwierigen Situationen, ich bewege mich so geschmeidig wie eine Katze… ganz egal, Hauptsache es fühlt sich gut an und hilft.

Nein, Nicht, Kein
Die Worte “Nicht”, “Nein”, “Kein” haben im positiven Selbstgespräch keinen Platz. Wir beschäftigen uns aktiv mit dem Erreichen des Ziels, mit dem was wir wollen. Unsere Gedanken drehen sich um Wörter die direkt mit dem angestrebten Ergebnis zusammenhängen.

Versuche nicht etwas Unangenehmes zu vermeiden, sondern lege den Fokus auf das wünschenswerte Resultat

Welcher der Sätze gibt mehr Kraft?

Ich werde nicht zögern.

Ich werde nicht vergessen zu atmen.

Ich werde in der Crux nicht nervös werden.

Ich klettere flüssig und päzise.

Ich atme tief und ruhig weiter.

Ich bin fokussiert und klettere effektiv durch die Crux

Schritt 3: “Positive Self-Talk” ist eine lernbare Fähigkeit

…welche Du üben und verbessern kannst. Jeder hat ein Startpunkt, quasi ein Start-Mindset von dem aus Du Dich ständig verbessern kannst. Akzeptiere Deine aktuelle Einstellung  und achte in jedem bewussten Moment auf die Qualität Deiner Gedanken. Werde Meister über die eigene Gedankenwelt und pushe so Dein Klettern auf das nächste Level.


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Ein guter Kletterrucksack kann Dir dabei nicht helfen…sorry.
Aber – wenn Dein Material gut verpackt ist, kannst Du Dich zumindest voll aufs klettern konzentrieren.
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Angst und Klettern. Die 3 großen Ängste

1. Angst vor dem Stürzen

Die wohl am weitesten verbreitete Angst im Klettersport und das ganz zu Recht wie ich finde. Dahinter steckt nämlich der evolutionär angeborene Überlebensinstinkt der gesamten Menschheitsgeschichte. Denn wer überleben will, sollte es unbedingt vermeiden 30m in die Tiefe zu stürzen. 

Angst blockiert
Es wird wohl noch ein paar tausend Jahre dauern, bis alle sicherheitsrelevanten Entwicklungen des Klettersports in unseren Genen angekommen sind. Bis dahin heißt es diesen Instinkt so gut wie möglich zu kontrollieren, denn Angst entzieht uns Energie, Aufmerksamkeit und Fokus. Angst manifestiert sich in unserem Körper und wird deutlich sichtbar, sie macht uns zögerlich, starr und unbeweglich. 

Wenn Du schon mal Sturzangst hattest, bist du in guter Gesellschaft – denn wir alle haben Sturzangst. Unser Beitrag „Sturzangst beim Klettern? Überwinde noch heute Deine Sturzangst.„wird zeigt Dir wie du damit umgehen kannst.

Lernen mit der Angst umzugehen
Wir verlieren das wesentliche aus den Augen und können uns nicht mehr voll und ganz dem Genuss des Kletterns hingeben. Außerdem leidet die Leistung erheblich darunter.  Sturztraining ist die einzige Möglichkeit diese Angst zu kontrollieren und mit etwas Geduld, wird man seine Sturzangst los. Eine Schritt für Schritt-Anleitung zum Sturztraining findet Ihr auf: 9-Schritte Sturztraining

2. Angst vor Versagen

Die Angst vor dem Versagen entsteht bereits in frühen Jahren und wir alle tragen sie seitdem, in unterschiedlichen Ausmaß, mit uns herum. Es ist eine unserer Lebensaufgaben diese Angst zu konfrontieren und sie mit einer gesunden und förderlichen Einstellung zu ersetzen.

Mentaltraining Klettern – Buchtipps

Im Lauf meines Lebens bin ich immer wieder auf Bücher über den “Weg des Kriegers” gestoßen. Carlos Castaneda, Dan Millman, Robert Spencer und Arno Illgner. Arno hat ein wunderbares Buch geschrieben indem er die Lehren der „Krieger Literatur“ (The Rock Warriors Way) mit dem Klettersport verknüpft.

Es geht dabei um die bewusste Auseinandersetzung und Überwindung von Ängsten. Und wie wir alle wissen, eignet sich Klettern dafür ausgezeichnet. 

Zielorientiert vs. Prozessorientiert
Die Angst vor dem Versagen hat auf dem Weg des Kriegers keine Überlebensgrundlage, da es mit der richtigen Einstellung kein Versagen geben kann. “Versagen” ist Ziel-orientiert und damit an ein gewisses Ergebnis geknüpft. Wird dieses Ergebnis nicht erreicht (z.B. die angestrebte 7a) dann hat man versagt. 

Ist der Focus jedoch Prozess-orientiert dann geht es vielmehr darum, Freude am Tun zu empfinden und jedes “Versagen” wird als Möglichkeit des Lernens gesehen. Stürze ich aus der 6c kann ich mich ruhig und entspannt damit beschäftigen was ich wohl daraus lernen kann. Vielleicht ist meine Fußtechnik nicht optimal oder ich übersehe eine Rastposition etc. 

Wie schade, wenn wir am Ende unseres Lebens erkennen müssen, dass wir den falschen Dingen mit falschem Ehrgeiz nachgejagt sind, zwar immer wieder unsere Ziele erreicht haben aber den Weg dorthin nie genossen haben. 

Praktische Tipps gegen Versagensängste während des Kletterns.

  • In the moment. Fokussiere deine Aufmerksamkeit auf jene Dinge die unmittelbar vor dir liegen. Die Fußposition, der nächste Griff, zügiges und präzises Klettern bis zu nächsten Rastposition. 
  • Ändere Deine Einstellung von Ergebnis auf Lernen. Setz dich nicht mit dem Ergebnis auseinander, sondern achte darauf was du von diese Route lernen kannst.
  • Sei rational. Sind deine Ängste begründet? Bewerte die Fakten logisch und gehe wie ein Wissenschaftler an die Situation heran. Anstatt vom Schlimmsten auszugehen frage dich was ist realistisch. 

3. Angst vor Schmerz

Es geht hier nicht um den sinnvollen Schmerz, der uns vor Verletzungen schützt, sondern um das aushalten unangenehmer Situationen. Die Angst vor dem Schmerz führt dazu, dass wir zu früh aufgeben und uns nicht genug pushen und so unser Potential nie voll ausschöpfen werden.

Eine 30m lange Route am Limit zu klettern ist vergleichbar mit einem 500m Sprint – beides tut verdammt weh! 

Du kannst lernen diesen Schmerz auszuhalten. Weiter klettern und die Anstrengung durchzustehen obwohl die Muskeln brennen und die Finger schon aufmachen.

Triff die Entscheidung Dich immer etwas weiter zu pushen, Zug für Zug dem Schmerz nicht nachgeben, um so stetig Deine Schmerzgrenze und dein Limit neu zu definieren und nach oben zu verschieben.

Trainiere deine Widerstandsfähigkeit und lerne Dich in Situationen wohl zu fühlen, wo Du früher längst aufgegeben hättest. 

Jedes mal wenn ich in die Boulder Saison starte brauche ich 2-3 Sessions bis ich wieder in der Lage bin so weit zu gehen, bis wirklich nichts mehr geht. Zu oft erwische ich mich dabei wie ich vorzeitig aufgebe und abspringe. Sobald ich wieder ans Limit gehe, ist es als ob die enorme Anstrengung, der Wille nicht frühzeitig aufzugeben, Körper und Geist durchspülen und reinigen. Der Lohn für die Anstrengung? Ein Gefühl der Zufriedenheit und die geistige Ruhe eines Buddhas im Schneidersitz.  


3 Mentaltraining-Tipps für Kletterer

Entspanntes Gesicht
Entspanne deine Gesichtsmuskulatur während Du kletterst. Ein angespanntes Gesicht signalisiert dem Körper Stress und Gefahr. Also, wenn es mal anstrengend oder hektisch wird versuche so entspannt wie möglich zu bleiben. Achte auf einen “tiefenentspannten” Gesichtsausdruck und bleib cool. 

Schlaf
Zu wenig Schlaf ist ein Performance- und Stimmungs-Killer. Wenn du dein Projekt angehen willst, ein geiler Klettertag ansteht oder Du Dich vielleicht grad auf Kletterurlaub befindest, achte unbedingt auf genügend Schlaf. (8-9h Minimum, bei starker Belastung sogar mehr)

Atmung
Jeder hat das mindestens schon hundertmal gehört und trotzdem ist es immer noch die am meisten unterschätzte Methode, um Körper und Geist zu beruhigen und zu stärken.Durch richtige Atmung kannst du ganz schnell und einfach deine Ängste und Emotionen regulieren.

Atme tief in den Bauchraum. Indem Du ruhig und gleichmäßig atmest, signalisierst Du Körper, dass keine Gefahr besteht und er sich entspannen kann. Entspannt sich der Körper wird der Geist folgen

Den Körper mit Sauerstoff überfluten
Versuche vor einer Route deinen Körper mit Sauerstoff voll zu pumpen. Überflute jede Faser deines Körpers mit Sauerstoff und atme so lange bis jede Zelle prall gefüllt ist.

Es geht ganz einfach, mache ein paar zügige und tiefe Atemzüge und versuche mehr Luft einzuatmen als du ausatmest. Mache das 1 Minute lang und dein Körper ist energetisiert und geladen mit Sauerstoff.

Für mehr Information rate ich euch nach dem “Ice man” (Wim Hoff) zu googeln. Hier habe ich Wim Hof und ein kurzes Video zu seiner genialen Atemtechnik verlinkt:

Buchempfehlung: The Rock Warrior’s Way

Weitere Fragen:

Was ist die schwerste Kletterroute der Welt?
Die aktuell wohl schwerste Kletterroute der Welt befindet sich in Norwegen und heißt “Silence” (Stille) und ist mit 9c (12 UIAA) bewertet. Sie wurde 2017 von dem tschechischen Ausnahmekletterer Adam Andra erstbegangen. Damit ist Ondra der erste Mensch der eine 9c geklettert hat.

Wer war Wolfgang Güllich?
Güllich (1960-1992) war ein deutscher Sportkletterer und Expeditionsbergsteiger. Er war zu seiner Zeit einer der stärksten Kletterer überhaupt, erschloss mehrere neue Schwierigkeitsgrade (unter anderem die erste 9a) und war maßgeblich an der Weiterentwicklung des Klettersports beteiligt. 

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