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Mehrseillängen Klettern Lernen. Der Mehrseillängen Guide

Dieser Guide zum Thema Mehrseillängen Klettern richtet sich an alle Kletterer, die bereits fit im Sportklettern sind und sich nun zum Thema Mehrseillängen informieren wollen.

In diesem Beitrag geht es grundsätzlich um Mehrseillängen-Routen, die mit Bohrhaken und Standplätzen versehen sind – so genannte Plaisier-Routen.

Ich werde Dir einen Überblick über das Thema Mehrseillängen geben, gängige Begriffe erklären und offene Fragen beantworten. Nach dem Lesen sollst Du wissen, was bei einer Mehrseillängen-Tour auf Dich zukommt, welche Voraussetzungen es gibt und worauf Du achten musst.

Um Mehrseillängen in der Praxis zu lernen, solltest Du auf jeden Fall einen Kurs besuchen und von einem erfahrenen Ausbilder lernen.

Mehrseillängen Klettern

Definition
Eine Mehrseillängen-Klettertour liegt dann vor, wenn mindestens zwei Kletterrouten nacheinander geklettert werden. Der wesentliche Unterschied zum Sportklettern ist, dass Mehrseillängen-Routen deutlich länger sind.

Deswegen kletterst Du normalerweise auch in einer niedrigeren Schwierigkeit, da Mehrseillängen mehr Kraft und Ausdauer fordern.

Mehseillängen klettern lernen-
Mehrseillängen Klettern – Anspurchsvoll aber genial!

Mehrseillängen klettern lernen

Wenn Du Mehrseillängen klettern möchtest, musst Du bereits ein gewisses Kletterkönnen mitbringen. Um Spaß daran zu haben, solltest Du meiner Meinung nach im Grad VI (5c) klettern können. Natürlich kommt es darauf an, ob Du selbst vorsteigen willst oder zuerst nur als Nachsteiger mitkommst.

Eine Faustregel besagt, dass zwischen dem Können im Sportklettern und Mehrseillängen zwei Klettergrade Unterschied liegen sollten.

Ablauf einer Mehrseillängen-Tour

Die klassische Mehrseillängenroute wird mit einer Zweier-Seilschaft begangen. Natürlich ist es auch möglich zu dritt zu gehen. Das kostet allerdings deutlich mehr Zeit und wird eher selten gemacht.

Wer steigt Vor?
Zuerst müsst ihr euch auf eine Route einigen, die eurem Können entspricht und abklären, ob ihr beide abwechselnd den Vorstieg übernehmt. Das ist die klassische Variante und wird auch als Wechselführung bezeichnet.

Die Alternative ist, dass einer die Führung übernimmt und alles vorsteigt und der andere immer nachsteigt. Das ist zum Beispiel die Variante, die Bergführer anbieten und eine Möglichkeit für Kletterer mit unterschiedlichem Können. Diese Variante ist deutlich zeitintensiver, da das Seil am Stand jedes Mal komplett durchgezogen werden muss.

Zustieg
Meist beginnt eine Mehrseillängentour mit einem kurzen (oder längeren) Zustieg. Dafür ziehst Du am besten leichte Zustiegschuhe mit Profilsohle an und hast Dein Kletterequipment im Rucksack verstaut.


Der Kletterrucksack für eine Mehrseillänge sollte:
a.) nicht zu groß,
b.) nicht zu breit,
c.) eng anlieged und
d.) robust sein.
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Kletterrucksack klein leicht test
Schau dir die 3 Gewinner an.

Einstieg
Am Einstieg macht ihr euch kletterfertig und nach Partnercheck und kurzer Abstimmung beginnt der Vorsteiger mit dem Klettern und wird dabei vom Nachsteiger von unten gesichert.

Der Standplatzbau – Mehrseillängen

Erster Standplatz
Hat der Vorsteiger die ersten Bohrhaken überwunden und ist am Stand angekommen, muss er sich dort sichern, damit der Nachsteiger nachkommen kann. Dazu bindet er sich mit seiner Selbstsicherung aus Bandschlinge und Karabiner im Stand ein.

STAND!
Je nachdem, wie der Stand gebaut ist, kann der Vorsteiger den Stand bereits nutzen und den Nachsteiger nachholen oder er muss aus weiteren Bandschlingen und Karabinern eine redundante Sicherung bauen. Ist der Stand eingerichtet, ruft der Vorsteiger dem Nachsteiger das Kommando „Stand“ zu.

Nachsteiger und Vorsteiger machen sich fertig
Der Nachsteiger weiß dann, dass der Vorsteiger nicht mehr auf seine Sicherung angewiesen ist. Er baut die Sicherung ab, und kann sich zum Nachsteigen bereitmachen. Währenddessen bereitet der Vorsteiger die Sicherung für den Nachsteiger vor und holt das Seil ein.

NACHKOMMEN!
Da der Nachsteiger nun vom Vorsteiger von oben gesichert wird (ähnlich wie beim Toprope) wartet er auf das Kommando „Nachkommen“ und kann zum Stand nachsteigen.

Mehrseillängen klettern nachsteigen
Nachsteiger am Weg zum Stand

Die richtige Sicherungstechnik

Die Sicherungstechnik bei einer Mehrseillänge unterscheidet sich von der Sicherung im Sportklettern. Sicherungsgeräte, wie Grigri oder ClickUp kannst Du normalerweise getrost zu Hause lassen.

Viele Kletterer sichern bei Mehrseillängen mit dem Tube (meine Empfehlung der ATC-Guide) oder verzichten ganz auf ein Gerät und nutzen nur den Halbmastknoten (HMS). Der Vorteil des HMS ist, dass Du kein zusätzliches Gerät mitnehmen muss, allerdings verfügt der Knoten beim Sichern über keine Sicherheitsreserven. 


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Die 5 Gewinner

Seil-Management – Mehrseillängen

Beim Klettern einer Mehrseillänge ist es sehr wichtig, dass Du im Sinne eines guten Seil-Managements routiniert mit dem Seil umgehen kannst. Vor dem Losklettern solltet ihr das Seil einmal komplett durchziehen, um Verknotungen auszuschließen.

Habt ihr euch für die Wechselführung entschieden und der Nachsteiger klettert direkt weiter, muss am Standplatz nichts Besonderes mit dem Seil beachtet werden. Steigt allerdings immer der gleiche vor, muss das Seil am Stand jedes Mal komplett durchgezogen werden.

Wichtig ist auch, dass der Vorsteiger am Standplatz das Seil geordnet einholt, während der Nachsteiger nachklettert, um ein Chaos zu verhindern. Denn das kostet wertvolle Zeit und Nerven.

Mehrseillängen-Klettern-lernen-Seilmanagement
So bleibt das Seil trocken 😉

Gerade, wenn das Wetter umzuschlagen droht, ist ein zügiges und sicheres Seil-Handling ein großer Sicherheitsfaktor.

Abseilen bzw. Absteigen

Absteigen
Bei manchen Routen kann man oben „aussteigen“, seine Kletterschuhe gegen die Zustiegschuhe tauschen und auf einem Weg oder Pfad absteigen.

Ablassen
Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, dass ein Partner den anderen ablässt.

Abseilen
Bei anderen Routen muss man zwingend abseilen, um wieder nach unten zu kommen. Deswegen solltest Du das abseilen beherrschen, bevor Du in eine entsprechende Mehrseillänge einsteigst. Beim Abseilen gibt es verschiedene Techniken (mit oder ohne Gerät).

Prusik und Konten am Ende des Seils – Deine Rückversicherung
Wichtig ist in jedem Fall die Hintersicherung durch eine Prusik-Schlinge, die Du mit der Bremshand steuerst. Zudem sollte am Ende des Seils ein Knoten sein, um zu vermeiden, dass Du am Ende des Seils aus dem Seil rutschst und abstürzt.

Prusik
Prusikknoten – Reepschnur

Länge beachten
Je nach Länge der Route und Seil wird es nötig sein, dass ihr beim Abseilen an den Standplätzen Halt macht, euer Seil nachholt und einen neuen Abseilstand aufbaut. Dann müsst ihr das Seil wieder ordentlich durchziehen und neu auswerfen.


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Routenplanung und Vorbereitung

Bei einer Mehrseillänge muss der Vorbereitung und Planung deutlich mehr Zeit gewidmet werden, als beim Sportklettern. Denn, wenn ihr einmal in die Route eingestiegen seid, ist das Zurück deutlich schwieriger als beim Sportklettern.

Schwierigkeits-Check
Es ist wichtig, dass ihr die Schwierigkeit für beide Partner richtig einschätzt und dafür das Topo studiert. Macht euch bewusst, wo die Schlüsselstellen liegen und schätzt deren Schwierigkeit ein. Es ist ein großer Unterschied, ob die Schlüsselstelle in der fünften Seillänge liegt und Du bis dahin schon ausgepowert bist oder ob die Route mit zwei schwereren Seillängen startet und nach oben hin relativ leicht ausläuft und euch zum Genussklettern einlädt. 

Mehrseillängen Klettern lernen topo
Topo und…
Mehrseillängen Klettern Topo
…Origianl

Wie lange dauert die Tour?
Macht euch vorher Gedanken darüber, wie lange die Tour dauern wird und werft einen Blick auf die Wettervorhersage. Ist das Wetter stabil? Sind Regen oder gar Gewitter angekündigt? Müsst ihr abseilen oder gibt es einen Abstieg? All, das sollte bei der Routenplanung berücksichtigt werden, um ein tolles und sicheres Klettererlebnis zu haben.

Tipp: Eine Stirnlampe gehört bei längern Klettertouren immer in den Rucksack.


Jeder sollte die bestmöglichen Sicherungsgeräte verwenden.
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Die wichtigsten Seilkommandos

Wie beim Sportklettern gibt es auch beim Klettern von Mehrseillängen bestimmte Seilkommandos.

Die gängigsten Kommandos sind:

  • Zu/Zug! Der Vorsteiger möchte, dass der Sichernde auf Zug geht und das Seil soweit möglich einholt
  • Seil! Der Vorsteiger benötigt mehr Seil und der Sichernde muss Seil ausgeben
  • Stand! Der Vorsteiger hat sich sicher im Stand eingehängt und hat sich aus der Sicherung durch das Seil ausgebunden.
  • Nachkommen! Der Vorsteiger gibt an den Nachsteiger das Signal, dass er sicher im Stand eingebunden ist und die Sicherung für den Nachstieg gebaut hat. Der Nachsteiger kann – am Seil gesichert – nachklettern.
  • Seil Frei! Der Nachsteiger hängt die Sicherung aus und gibt das Seil frei. Oder – Der Erste Abseilende hängt sich aus und macht Platz für den nachkommenden. (Ich persönlich verwende diese beiden Seilkommandos nicht, da sich ohnehin an der Seilspannung erkennen lässt ob das Seil frei ist)

Wortlose Kommandos
Manche Seilschaften ersetzen Kommandos auch durch mehrmaliges Ziehen am Seil. Das muss vorher abgesprochen sein und kann durch ungünstige Seilführung erschwert sein. Zudem es ist ein großer Unterschied, ob Sichtkontakt zwischen Vorsteiger und Nachsteiger besteht – das macht die Kommunikation wesentlich leichter.


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Ausrüstung & Material Mehrseillängen-Klettern

Wenn Du eine Mehrseillängentour gehen willst, benötigst Du etliches an Material. Während Du beim Sportklettern in der Halle mit Klettergurt, Kletterschuhen und Seil auskommst, ist diese Liste bei einer Mehrseillängentour deutlich länger.

Du benötigst für eine Mehrseillängen-Tour folgendes Equipment:

  • Klettergurt
  • Kletterschuhe
  • Helm
  • Seil (am besten mindestens 60 m. Entweder ein Einfachseil oder 2x 60m Halbseil)
  • Expressen
  • Bandschlingen (90 cm)
  • Reepschnur (1m)
  • 4 Karabiner (1 Sicherheitskarabiner, 3 Schraubkarabiner)
  • Sicherungsgerät, z.B. Tube
  • Chalk-Bag
  • Topo/Bild der Wand/Kopie aus dem Kletterführer
  • Erste-Hilfe-Set
  • Evtl. mobile Sicherungsgeräte (Friends, Klemmkeile etc.)
  • Entsprechende Kleidung (z.B. Regen- oder Sonnenschutz)
  • Strinlampe (bei langen Klettertouren)
  • Wasser und Snacks

Inspirationen für gute Ausrüstung findest Du auf unserer Empfehlungsseite.

9 Fehler beim Klettern von Mehrseillängen

Durch die Komplexität des Mehrseillängenkletterns ist diese Sportart natürlich anfällig für Fehler. Leider verzeiht das Gelände bzw. die Route Fehler nicht so einfach, wie das beim Sportklettern der Fall ist. Deswegen solltest Du die folgenden Punkte beachten und die angesprochenen Fehler vermeiden. 

Fehler 1: Zu spät in die Route einsteigen

Beim Mehrseillängen klettern ist Zeitmanagement äußerst wichtig und es kann fatale Folgen haben, wenn Du zu spät in eine Route einsteigst. Nicht selten werden Kletterer von der Dunkelheit oder einem heranziehenden Gewitter überrascht. Deswegen haltet euch immer vor Augen, wie lange ihr brauchen werdet und steigt früh genug ein.

Bei unsicherer Wetterprognose solltest Du die Tour lieber verschieben, um nichts zu riskieren. Denn die Gefahr durch Steinschlag oder gar durch einen Blitzschlag kann lebensgefährlich werden. 

Fehler 2: Überschätzung der eigenen Fähigkeiten

Man erlebt es immer wieder, dass Kletterer ihre Fähigkeiten überschätzen und sich zu motiviert an das Klettern von Mehrseillängen heranwagen. Mut ist prinzipiell nicht schlecht, aber überschätze Dich nicht. Taste Dich langsam und mit einem erfahrenen Partner an das Klettern von Mehrseillängen heran.

2 UIAA Grade unter deinem Level
Halte Dich am Anfang an die Regel, dass Du zwei Schwierigkeitsgrade unter Deinen Sportkletterfähigkeiten bleiben solltest. Wenn Du die ersten Routen erfolgreich gemeistert hast, kannst Du Dich Stück für Stück an die nächstschwierigeren Routen herantasten.

Beachte auch, dass Du Dich beim Mehrseillängen klettern in ganz anderem Gelände befindest als beim Sportklettern. Habe Respekt vor den Dimensionen und der freien Natur und achte immer auf die nötigen Sicherheitshinweise.

Fehler 3: Mangelnder Schutz vor Sonne, Hitze oder Kälte

Je nach Länge und Ausrichtung der Route können sich Temperaturen und Sonneneinstrahlung während eurer Tour gewaltig ändern. Oft befinden sich Mehrseilrouten im alpinen Gelände, wo das Wetter schnell umschwenken kann.

Hitze
Bei südseitig ausgerichteten Routen ist deshalb Sonnenschutz und ausreichend Flüssigkeit essenziell.
Kälte
Was nie fehlen darf ist eine leichte Jacke, die vor Regen und Wind schützt. Denn Du weißt nie, was während der Klettertour passiert. Auch wenn Du beim Klettern auf jedes Gramm Gewicht im Rucksack achten musst, die Minimumsicherheitsausrüstung (Kleidung, Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set, Handy) sollte immer Platz im Rucksack haben.


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Fehler 4: Mangelhafte Orientierungsfähigkeiten

Du wärst nicht der erste Kletterer, dem dieser Fehler passiert und der bei einer Mehrseillängentour in die falsche Route abzweigt. Damit das nicht passiert, solltest Du vorher das Topo gründlich studieren und einen geschützten Ausdruck bei Deiner Tour dabei haben.

Du wirst Dir verdammt schwertun, wenn Du Dich anstatt in Deiner geplanten Tour, die mit V bewertet ist, auf einmal in einer Route mit der Schwierigkeit VII wiederfindest.

Es schadet nie, bei jemandem nachzufragen, der die Route schon gegangen ist. Hier wäre Stolz fehl am Platz. Oft reicht schon ein Hinweis, wie „nach dem zweiten Stand besonders aufzupassen und Dich links halten, um in der Route zu bleiben“.

Fehler 5: Abseilen wird unterschätzt

Mache nicht den Fehler, dass Du das Abseilen unterschätzt. Viele Unfälle am Berg passieren leider im Abstieg. Natürlich sollte das abseilen nicht anstrengender als die Klettertour sein, aber behalte immer im Hinterkopf, dass es Dich Zeit, Anstrengung und Konzentration kostet.

Abseilen erfordert volle Konzentration
Auch beim abseilen, muss Sicherheit Priorität haben. Alle Knoten müssen sitzen, die Karabiner müssen zugeschraubt sein, das Seil muss ordentlich durchgezogen sein und die Kommunikation zwischen Dir und Deinem Partner muss stimmen.

Fehler 6: Seil ist zu kurz

Auch dieser Fehler muss tunlichst vermieden werden: Ein zu kurzes Seil beim Abseilen. Natürlich wirst Du kaum mit einem Seil die komplette Route abseilen können. Deswegen gibt es immer wieder Abseilstände. Diese musst Du nutzen, um nicht irgendwo zwischen zwei Ständen sprichwörtlich in der Luft zu hängen.

Auch hier hilft im Normalfall der Blick aufs Topo, denn meistens sind die Abseilrouten ebenfalls eingezeichnet oder beschrieben. Im Zweifel nutze lieber einen Stand früher, bevor Du nicht mehr weiterkommst.

Fehler 7: Sicherungsgerät fallen lassen und keinen HMS beherrschen

Es ist ärgerlich und kann für alle Menschen, die sich unter Dir befinden, gefährlich werden: Du lässt Dein Sicherungsgerät fallen. Im besten Fall hast Du noch ein zweites Gerät zum Abseilen dabei oder Du beherrschst die Methode, Dich mit dem Halbmastwurf und Prusikknoten abzuseilen. Wenn das nicht der Fall ist, kann Dich im einfachen Fall Dein Partner aus der misslichen Lage befreien und Dich ablassen. Im anderen Fall musst Du die Bergrettung rufen.

Fehler 8: Seilenden ungleich lang

Ein fataler Fehler, der sich leicht vermeiden lässt: Du stellst beim abseilen fest, dass die beiden Seilenden ungleich lang sind. Das kann passieren, wenn die Mittelmarkierung verblast ist oder ganz fehlt. Das lässt sich ganz leicht beheben, indem Du Dein Kletterseil regelmäßig kontrollierst und im Bedarfsfall die Mittelmarkierung dick mit einem wasserfesten Stift einzeichnest.

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Seilenden gleich lang?

Fehler 9: Abseilen – Seil verhängt sich

Dieser Fehler zählt ebenfalls zu den Klassikern und ist vielen Kletterern schon passiert: Du wirfst das Seil zum abseilen nach unten und es verhängt sich an einer Stelle in der Wand und ist nicht mehr zu bewegen. Um das zu vermeiden, achte darauf, wo Hindernisse in der Wand sein könnten (Büsche, Felsvorsprünge, Spitzen, …).

Wirf das Seil ordentlich, kontrolliert und mit Schmackes nach unten.

Fehler 10: Zu wenig Wasser

Jedes Gramm zählt, aber wer schon mal dehydriert geklettert ist und sich danach noch abseilen musste, der weiß (so wie ich) dass es schade ist wenn man an der falschen Stelle gespart hat.
Tipp: Vor dem Einstieg in die Mehrseillänge ordentlich „vor-hydrieren“ und genug Wasser mitnehmen.

Im Notfall – Bergrettung

Noch ein Wort zur Bergrettung: Natürlich kannst Du im Notfall die Bergrettung rufen. Das ist auch angebracht, wenn Du Dich ernsthaft in Gefahr befindest und ihr aus eigener Kraft weder vor noch zurückkommt.

Du solltest dafür eine entsprechende Versicherung (z.B. Mitgliedschaft im Alpenverein und private Unfall- und Bergeversicherung) haben. Dann werden die Kosten komplett übernommen.


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Klettergurte im Test
Alle Testsieger im Detail.

Mehrseillängen- Klettern lernen – komplex aber wunderschön

Du siehst, das Mehrseillängen klettern hat es in sich, macht aber andererseits auch sehr viel Spaß!

Wenn Du die gängigen Fehlerquellen und deren Vermeidungsstrategien bewusst machst und Dich langsam und mit einem erfahrenen Partner oder in Kursen an diese Variante des Kletterns herantastest, wirst Du sicherlich jede Menge Spaß haben.

Und wer weiß, vielleicht bezwingst Du schon bald Deine ersten Klassiker in Deinem ganz persönlichen Lieblingsklettergebiet.

Wie lange ist eine Mehrseillänge?

Wie lange eine Mehrseilroute ist, ist nicht definiert und nach oben sind so gut wie keine Grenzen gesetzt. Während Anfänger mit Plaisier-Routen von zwei oder drei Seillängen starten, klettern Profis alpine Touren, die 30 oder 40 Seillängen umfassen.

Solche Projekte müssen meist selbst abgesichert werden und können Tage oder Wochen in Anspruch nehmen. Sie beinhalten sogar das Übernachten in der Wand und fordern von den Kletterern physisch und psychisch viel ab.

Schwierigkeits-Empfehlung für Mehrseillängen Klettern

Wenn Du beim Sportklettern im Grad VII (6b) unterwegs bist, solltest Du bei einer Mehrseillänge, die mit V (5a) bewertet ist, gut zurechtkommen. Wenn Du allerdings im Sportklettern nur im Bereich einer V unterwegs bist, solltest Du bei Mehrseillängen eher bei der III bleiben.