Klettern und Höhenangst Titelbild

Klettern trotz Höhenangst. Überwinde Deine Höhenangst durch Klettern.

Hast Du Dich schon einmal gefragt ob Klettern mit Höhenangst möglich ist?

Instinktiv würdest Du jetzt wahrscheinlich nein sagen, aber das stimmt nicht ganz. Klettern mit Höhenangst ist möglich, UND Du kannst Deine Höhenangst sogar durch das Klettern überwinden.

Glaubst Du nicht? Kann ich verstehen, ich habe es selber auch lange nicht glauben können, bis ich es schließlich selber ausprobiert habe und meine Angst besiegt habe.

Ich habe meine Höhenangst mit Klettern überwunden

Basierend auf meiner persönlichen Erfahrung habe ich einen Guide zusammengestellt. Dieser dient als Richtlinie für Deine Reise zum angstfreien Kletterer.

Bei mir hat es funktioniert und ich klettere seitdem zwar nicht immer frei von Angst aber dafür viel und gerne. Achte beim Nachmachen meiner Tipps immer gut auf Dein eigenes Gefühl und sei nicht frustriert, wenn manche Dinge bei Dir nicht denselben Effekt haben wie bei mir. Mit etwas Geduld kannst Du Deine Höhenangst ganz sicher überwinden.

Höhenangst und Klettern

Bevor wir uns aber daran machen, Deine Angst zu bekämpfen gibt’s noch ein paar wissenswerte Fakten über die Angst vor der Höhe:

  • Sie wird auch als Akrophobie bezeichnet und bedeutet eigentlich nicht die Angst vor der Höhe sondern die Angst vor dem Stürzen
  • Bei Menschen ist die Angst angeboren und dient, wie jede andere Angst auch, als Warnsignal in lebensgefährlichen Situationen. Nimmt diese Angst jedoch Extremformen an, kann sie die Betroffenen belasten und sogar im Alltag einschränken. Diese Akrophobie entsteht entweder durch eine Übersensibilisierung der angeborenen Angst oder durch schwere Stürze aus großer Höhe. Darüber hinaus kann Akrophobie auch als Symptom psychischer Krankheiten auftreten.
  • Egal wie die Phobie entstanden ist, die Symptome reichen von Schwindel über Benommenheit, starkes Herzklopfen und schlotternden Knie bis hin zu Atemnot.
  • Bei der Behandlung von Akrophobie haben sich neben Entspannungs- und Hypnosetechniken vor allem die Methoden der Konfrontation und der graduellen Annäherung bewährt.

Wie kommt man auf die Idee mit Höhenangst zu Klettern?

Weil Klettern ein toller Sport ist und ich nicht einsah, dass meine eigene Angst mir diesen Spaß verwehren sollte. Außerdem konnte ich mein Leben lang zwar auf Leitern raufklettern, konnte aber dann nicht mehr runter, weil ich zu große Angst hatte.

Dazu kommt, dass mein Partner ein begeisterter Klettersportler ist, somit war Klettern in meinem Leben ohnehin schon präsent. So kam mir eines Tages die Idee, meiner Angst an den Kragen zu gehen und fuhr zum ersten Mal mit in die Kletterhalle.

Meine anfänglichen Versuche waren zwar keineswegs glamourös und es dauerte fast ein Jahr bis ich von meiner Angst befreit war, dennoch würde ich diese „Reise“ jederzeit wieder machen. Viele Tipps für Anfänger findest Du in unserem kompletten Guide “Kletter-Einsteiger“.

Klettern Anfänger
Anfänger Guide

In Fünf Schritten Deine Höhenangst besiegen

Schritt 1: Vorbereitung
Schritt 2: Erste Besuche der Kletterhalle
Schritt 3: Bunte Routen & Abseilen
Schritt 4: Sturztraining
Schritt 5: Klettern und Dranbleiben

Schritt 1: Vorbereitung ist die halbe Miete gegen deine Höhenangst

Körperliche Vorbereitung
Wenn Du Dich dazu entschließt Deine Angst vor dem Stürzen überwinden zu wollen, wirst Du in den darauffolgenden Wochen und Monaten ein Mal pro Woche an Deine mentalen Grenzen stoßen. Vertrauen in Deinen Körper und gutes Gespür für Deine persönlichen Limits erleichtern Dir diese Stresssituationen um ein Vielfaches. Beides erreichst Du durch Sport.

Ausdauer- und Krafttraining in Verbindung mit Yoga stärken Deine Muskeln und Deine Balance bereits im Vorfeld.

Versuche aber nicht in diesen Sportarten zu versinken – gib Dir ein paar Wochen Zeit um zu trainieren, leg einen Termin für Deinen ersten Klettertag fest und fixiere diesen mit Deinem Kletterpartner. So bist Du dazu verpflichtet an dem Tag tatsächlich in der Halle zu sein und erkrankst nicht an Aufschieber-itis.

Mentale Vorbereitung
Die Herausforderung des Kletterns liegt nicht alleine an der notwendigen Kraft sondern auch an der mentalen Stärke des Kletternden. Vor allem Personen mit Akrophobie benötigen viel Mut, Disziplin und Durchhaltevermögen um ihre Angst besiegen zu können. Meditation im Vorfeld und während der Trainingsmonate hilft, diese Eigenschaften zu stärken.

Der richtige Kletterpartner um Höhenangst zu überwinden
Natürlich brauchst Du auch noch einen Kletterpartner. Idealerweise klettert dieser schon einige Zeit und kennt sich vor allem mit den Sicherungstechniken aus. Dein Partner sollte Dein absolutes Vertrauen genießen, viel Geduld mitbringen und wissen, was Du brauchst um Deine Höchstleistung zu erreichen. Letzteres wird hauptsächlich mit der Zeit zum Vorschein kommen, das besiegen Deiner Angst wird zu eurem gemeinsamen Projekt.

Kletterpartner vertrauen
Vertrauen in deinen Kletterpartner ist Voraussetzung

Schritt 2: Erste Besuche in der Kletterhalle

So, genug der Vorbereitung. Jetzt geht’s zum ersten Mal ab in die Kletterhalle. Hier wirst Du Deine schönsten Erfolge feiern und Deine größten Herausforderungen bestehen.

Aber fangen wir erst mal klein an. Deinen allersten Besuch in der Kletterhalle solltest Du dazu nutzen mit den Räumlichkeiten vertraut zu werden, Kletterschuhe an den Füßen zu haben und Griffe anzugreifen.

Zuerst Bouldern dann Klettern – Höhenangst überwinden
Je nachdem wie ausgeprägt Deine Angst ist, kannst Du auch mit Bouldern beginnen. In den meisten Kletterhallen findet man horizontal verlaufende Routen mit einer geringen Absprunghöhe; diese sind bestens für den Anfang geeignet.

Klettern – Grundlagen
Sollte das mit dem Bouldern funktionieren, lässt Du Dir am besten erstmal Sicherungstechniken, Hallenordnung und den Achterknoten zeigen. Natürlich kannst Du Dich auch mit einem Klettergurt nur ins Seil hängen und mit den Füßen am Boden bleiben und Dich etwas hin und her baumeln lassen.

Wofür Du Dich auch entscheidest, geh langsam an die Sache heran. Die ersten Versuche sollten Dir ein Gefühl für die Intensität Deiner Angst geben und Dir gleichzeitig Spaß machen.

Hier gibts viele hilfreiche Tipps zum verbessern Deiner Klettertechnik und zur richtigen Kletterausrüstung bzw. Boulderausrüstung

Schritt 3: Bunte Routen und Abseilen

An sich sind die Routen in der Halle farblich gekennzeichnet, gerade am Anfang darfst Du diese aber ignorieren. Es geht schließlich im Moment nicht um das Schaffen der Route, sondern um das Uberwinden der Höhenangst

Griffe, die weit auseinander sind oder eine Haltung erfordern, die als einschränkend empfunden wird, sind mit Sturzangst oftmals schwer zu bewältigen. Du darfst also ruhig, die Griffe verwenden die für Dich angenehm sind (vorausgesetzt Du behinderst niemanden). 

Angstlevel niedrig halten
Klettere bei Deinen ersten Versuchen nur soweit wie Du kein oder nur sehr geringes Angstgefühl verspürst und lass Dich abseilen, sobald Du das Gefühl hast, Deine Comfort-Zone zu verlassen. Wiederhole diese Übung solange, bis Du Dich beim Abseilen sicher fühlst.

Langsam steigern
Du kannst die Übung aber noch steigern in dem Du einfach mal einen Griff weiter kletterst und Dich von dort abseilen lässt. So lernst du, dass gefahrloses “Stürzen” und ein überwinden Deiner Höhenangst möglich ist.

Schritt 4: Das Sturztraining – Klettern trotz Höhenangst

Partnercheck-Sturztraining-Klettern
Kontrolle der Ausrüstung sorgt für mehr VERTRAUEN

Der vermutlich schwierigste Schritt Deiner Reise zum angstfreien Kletterer ist das Sturztraining. Hast Du dieses aber erstmal gemeistert, befindest Du Dich auf der Zielgeraden.

Wie Sturztraining genau funktioniert und was Du dabei beachten musst erfährst Du auf unserem Sturztraining-Guide.

Sturztraining gehört zum Klettern genauso dazu wie der Partnercheck und der Klettergurt.

Es ist Bestandteil von Kletterkursen ab Fortgeschrittenen-Level und wird auch von erfahrenen Klettersportlern regelmäßig unter verschiedenen Bedingungen ausgeführt.

Aber warum ist Sturztraining so wichtig?

Durch Sturztraining lernst Du den Umgang mit Deiner Angst

In dem Moment in dem Du beschließt loszulassen, wirst Du merken wie sich deine Hände automatisch fester an die Griffe klammern, wie Deine Atmung sich beschleunigt, Dein Herz schneller schlägt, etc. In diesen scheinbar endlosen Augenblicken spürst Du Deine Angst in ihrem vollen Ausmaß.

Loszulassen wird am Anfang unheimlich schwierig sein, aber in dem Moment, in dem Deine Hände und Füße die Wand verlassen, besiegst Du Deine Angst. 

Die Angst lässt nach
Nach einigen Stürzen, bist Du mit Deiner Angst und ihren Symptomen vertraut und fängst an, Techniken zu entwickeln, die sie im Zaum halten. Das können u.a. sein:

  • die Vorstellung rückwärts ins Bett zu fallen
  • kontrollierte, tiefe Atemzüge
  • der Angst gedanklich den Stinkefinger zeigen
  • die Angst anerkennen, ihr aber nicht die Kontrolle überlassen

Sturzangst überwinden
Sobald Du 100-200 erfolgreiche Stürze hinter dir hast, wird von Sturzangst keine Rede mehr sein. Du erreichst einen Punkt, wo Dir auffällt, dass Du sorgenlos und angstfrei kletterst und nicht mal mehr darüber nachdenkst Angst zu haben.

Mehr zum spannenden Thema Sturzangst, findest du in unserem Artikel “Sturzangst beim Klettern? Überwinde noch heute Deine Sturzangst

Schritt 5: Klettern und dranbleiben

Der fünfte und letzte Schritt meine Guides ist auf jeden Fall mit dem Klettern und auch mit dem Sturztraining weiter zu machen, um zu garantieren, dass die Angst nicht daran denkt, wieder zurück zu kommen.

Klettern und Höhenangst – Was Dich sonst noch so erwartet

Wöchentliches Herzrasen
Deiner Angst jeder Woche aufs Neue die Stirn zu bieten ist zwar im Nachhinein eines der besten Gefühle die es gibt, kostet jedoch eine Unmenge an Überwindungskraft und Durchhaltevermögen.

Bleib dran aber gönn dir auch Pausen
Dem Stress dem Du Dich während eines Trainings wiederholt aussetzt, ist für Deinen Körper und Deine Psyche gleichermaßen anstrengend. Daher sind angemessene Ruhephasen während des Trainings und auch zwischen der einzelnen Einheiten zu empfehlen. 

10 Stürze pro Woche
Für mich war eine Trainingseinheit pro Woche ausreichend. Mein Ziel pro Einheit waren mindestens zehn erfolgreiche Stürze, nach je zwei machte ich eine Pause in der ich Bouldern ging oder anderen Kletterern zusah.

Erfolge beim Überwinden der Höhenangst

Du wirst anfangs einige sehr große und schnelle Fortschritte machen, die Dein Selbstvertrauen stärken.Jedoch bleibt es meist nicht bei dieser rasanten Geschwindigkeit.

Im Normalfall hat jeder eine „Höhengrenze“ ab der die Dinge knifflig werden. Meist befindet sich diese Grenze gleich oberhalb der Komfort-Zone. 

Höhenangst überwinden heißt die Komfortzone zu verlassen

Bei mir waren zahlreiche Stürze von der gleichen Höhe aus notwendig, bis ich endlich auch von höheren Positionen stürzen konnte. Dieses Stadium wird viel Zeit und Geduld von Dir verlangen, hast Du es aber erstmal überwunden, geht danach bzw. darüber alles einfacher.

Erfolge im Alltag
Die Tatsache, dass Du Dich Woche für Woche mit Deiner Angst auseinandersetzt, wirkt sich auch außerhalb der Kletterhalle aus. Dein Durchhaltevermögen sowie Dein Selbstvertrauen werden gestärkt und Du wirst merken wie etwa das Besteigen einer Leiter kein Problem mehr für Dich darstellt.

Überwinde Höhenangst und MEHR 

Da Du auch regelmäßig lernst, mit Deiner Angst umzugehen, kannst Du dieses Wissen auch in anderen Situationen, in denen Du Angst verspürst einsetzen.

Beispiele: Kontrolle der Angst vor:

  • Präsentationen vor Publikum
  • Fahrstühlen
  • Bewerbungsgesprächen
  • Flügen
  • großen Menschenmaßen

Rückschläge
Diese gehören zu jedem Projekt dazu und bieten Dir die Möglichkeit über Dich selbst hinauszuwachsen.

Tagesverfassung 
Vor allem Sturztraining spielt die aktuelle Tagesverfassung eine große Rolle, da Sturztraining viel Selbstbewusstsein verlangt. Ist das aber mal im Keller, wird auch Dein Training nicht blendend verlaufen.

Lass Dich davon aber bloß nicht abbringen, das nächste Mal sieht die Sache schon wieder ganz anders aus.

Die Belohnung : Freude am Klettern und neue Freunde

Über kurz oder lang wird Deine Liebe zum Klettern entfacht werden und dann gibt es kein Zurück mehr. Das wöchentliche Klettern wird zur körperlichen und geistigen Herausforderung und bietet gleichzeitig eine Auszeit vom Alltag.

Von der Halle an den Fels
Mit der Zeit wirst Du nicht mehr bunte Routen verwenden um nach oben zu kommen, sondern „echte“ Routen klettern und Deine Technik stets verbessern.

Da die Kletter-Gemeinschaft sehr unterstützend und hilfsbereit ist, wirst Du vermutlich auch einige neue Freunde gewinnen, die Dir ermutigende Worte zurufen, wenn Deine Angst Dich vom Loslassen abhält.

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