Klettern-vs-Bouldern-Unterschied

Der Unterschied zwischen Klettern und Bouldern – Und was ist besser?

Der Unterschied zwischen Klettern und Bouldern scheint nicht wirklich groß… ABER, Du wirst überrascht sein wie viele Unterschiede es wirklich gibt. 

Der Unterschied zwischen Klettern und Bouldern 

Der Unterschied zwischen Klettern und Bouldern liegt Hauptsächlich (aber nicht nur) an der Höhe des zu be-kletternden Objektes. Aufgrund der Höhe (die bei Kletterrouten ca. 30 m, beim Bouldern ca. 4 m beträgt), der damit verbundenen Sicherungstechnik und Gefahren, stellt Klettern andere Anforderungen als das Bouldern.

Es wird zwar bei beiden Disziplinen geklettert, schaut man aber genauer hin, sind die Unterschiede doch beträchtlich.   

Unterschiede Im Überblick – Klettern vs. Bouldern. 

  1. Die Höhe (Klettern in 30 m oder 3 m Höhe)
  2. Sicherungstechnik / Seiltechnik (Zum Klettern bedarf es einer Einschulung)
  3. Maximalkraft vs. Kraftausdauer (Bouldern Maximalkraft – Klettern Kraftausdauer)
  4. Charakter – Intensität, Dauer, Psyche, Taktik, etc. 
  5. Dynamik (Bouldern ist dynamischer als Klettern)
  6. Ausrüstung (Klettern ist etwas Ausrüstungs-intensiver)
  7. Gefahrenpotential (Unterschiedliche Gefahren und Sicherheitsvorkehrungen)
  8. Alleine? (Bouldern kann ich auch alleine, klettern nur in Ausnahmefällen)

Im Folgenden werde ich auf jeden Punkt etwas genauer eingehen.

1. Höhe – Bouldern und Klettern

Bouldern
Gebouldert wird bis zu einer Höhe von ca. 4 Metern. Es gibt natürlich Ausnahmen in denen auch wesentlich höher gebouldert wird… sogenannte High-Boulder. Wie gesagt, das Überschreiten der 4 Meter-Marke ist die Ausnahme da die Verletzungsgefahr mit jedem Zentimeter steigt. 

Klettern
Sportkletterrouten sind in der Regel 15 bis maximal 40 m lang. Die meisten Routen gehen aber über 30 m nicht hinaus. Ein Standard-Kletterseil ist 60 m lang, und daher genau richtig für eine 30 m Kletterroute. 

Alles was darüber hinaus geht fällt unter den Begriff “Mehrseillänge”. Wie der Name schon sagt werden dabei mehrere Seillängen überwunden.

Oft wird dafür auch der Begriff Alpinklettern verwendet, gemeint ist meist das Gleiche.

Für das Klettern von Mehrseillängen bedarf es zusätzlicher Seil- und Sicherungstechnik – wer mehr erfahren möchte, findet alle Einzelheiten in unserem “Mehrseillängen-Guide”.


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2. Sicherungstechnik / Seiltechnik

Bouldern-Indoor
Die Sicherungstechnik ist wie alles beim Bouldern recht minimalistisch. Es werden weder Seil noch Sicherungsgerät benötigt. Für das Bouldern in der Halle sind lediglich die allgemeinen Boulderregeln (mehr dazu im Kapitel Sicherheit) zu beachten, es sind keine speziellen Sicherungstechniken notwendig. 

Bouldern-Outdoor
Die Sicherungsmaßnahmen für das Outdoor-Bouldern beschränken sich auf:
a.) Crashpads – eine weiche Unterlage für eine sichere Landung
b.) Spotten – ein Spotter sorgt dafür, dass der Boulderer im Falle eines Sturzes nicht mit dem Kopf zuerst aufschlägt, sondern kontrolliert landet. 

Bouldern-Spotten-Outdoor
Spotter, Crashpad und Boulderer geben alles

Die Sicherheitsmaßnahmen sind relativ schnell und leicht zu erlernen und bedürfen keiner speziellen Einschulung – etwas Aufmerksamkeit und eine Portion Hausverstand reichen aus. 

Bouldern kannst Du auch alleine. Geklettert wird immer zu zweit – jeder Kletterer braucht einen Sicherungspartner! 

Klettern
Aufgrund der Höhe und den damit verbundenen Gefahren wird beim Klettern mit Seil und Sicherungsgerät geklettert. Die korrekte Bedienung des jeweiligen Sicherungsgerätes ist Voraussetzung für das Seilklettern und muss im Vorfeld unter professioneller Anleitung erlernt werden. 

Klettern-Sichern-lernen-Sicherungspartner
Sichern will gelernt sein

Kletterkurse – Sicherungstechnik lernen
Zum Erlernen der Sicherungstechnik eignet sich ein Kletterkurs in einer Kletterhalle. Dabei lernst Du in 6-10 h alles was Du für ein sicheres Klettern brauchst.

Eine komplette Übersicht über den Einstieg in die Welt des Kletterns findest Du in unserem Beitrag “Klettern Anfänger. Kompletter Guide: Ausrüstung, Technik, Kosten…”.


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3. Maximalkraft vs. Ausdauer = Bouldern vs. Sportklettern

Grundsätzlich gilt:
Bouldern erfordert Maximalkraft und Explosivkraft.
Klettern erfordert Kraftausdauer. 

(Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen – einige Boulderprobleme sind lange und ausdauernd, manche Kletterrouten kurz und maximalkräftig).

Pausen bzw. Rastpositionen
Beim Bouldern wird die Route, das sogenannte Boulderproblem, von Start bis Finish in einem Stück (ohne Pause) durchgeklettert.
In Kletterrouten ist es durchaus üblich an geeigneten Passagen zu “rasten” und die Unterarme abwechselnd auszuschütteln. 

Übersicht der Unterschiede zwischen Bouldern & Klettern


Bouldern Klettern
Züge 5-15 30-50
Dauer10-20
Sekunden
1 – 10
Minuten
Höhe 3-4 Meter  15-40 Meter
Energie  Maximalkraft Kraftausdauer

4. Charakter – Unterschied zwischen Klettern und Bouldern

Bouldern
Bouldern zeichnet sich durch wenige, sehr intensive Züge am Limit aus. Es geht um die Perfektionierung von Bewegungsabläufen und Griff-Tritt-Abfolgen um das Bouderproblem zu lösen.

Zwischen den Versuchen, die oft nur wenige Sekunden dauern, wird regeneriert und es bleibt Zeit für sozialen Austausch mit Gleichgesinnten.

Danach beginnt das Spiel von vorne und es geht wieder an die Wand – so werden oft gemeinsam unter lautstarker Anfeuerung und Motivation die “richtigen” Bewegungsabfolgen (Beta) ausprobiert und gefunden. Um schwierige Züge auszutüfteln ist eine Liebe zum Detail von Vorteil. 

Klettern-Charakter
Klettern zeichnet sich durch länger andauernde Belastungen aus. Die Züge sind zwar (relativ zum Bouldern) nicht so intensiv dafür klettert man gegen die Ermüdung an.

Nach anstrengenden 25 Klettermetern und aufgepumpten (ermüdeten) Armen, ist plötzlich jeder Zug intensiv. Die Länge der Routen und damit einhergehende Ausdauerbelastung erfordert effizientes, ökonomisches und konzentriertes Klettern über mehrere Minuten hinweg.


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Taktik
Im Unterschied zum Bouldern sind beim Klettern Taktik und Psyche weitere wichtige und potentiell leistungslimitierende, Faktoren. Klettertaktik beinhaltet:

  • Rastpunkte finden und nutzen
  • Schwierige Passagen (Crux) erkennen und zügig durchklettern
  • Kommunikation mit dem Sicherungspartner

Psyche
Einer der spannendsten Aspekte des Kletterns ist die mentale Herausforderung, wenn man sich in 20 Metern Höhe mit den Konsequenzen eines Sturzes auseinandersetzen muss. Beim Klettern ist Angst “part of the game” sie ist einfach da und Du musst lernen damit umzugehen. 

Ängste überwinden
Das ist es was Klettern unter anderem so einzigartig macht – Die Auseinandersetzung mit den eigenen Ängsten, ein bewusstes und gewolltes Herantasten an die Angst. Klettern bietet Dir die Möglichkeit Dich Deinen Ängsten zu stellen um über Dich selbst hinaus zu “klettern”. 

Das Thema Angst im Klettersport ist faszinierend und ich habe es in mehreren Berichten beleuchtet, mehr dazu findest Du in: 
Sturzangst und Klettern
Mentaltraining im Klettersport

5. Dynamik und Alter – Klettern vs. Bouldern

Bouldern und Klettern kann man in jedem Alter. Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften tendieren ältere Menschen eher zum Klettern, während jüngere Menschen eher vom Bouldern angezogen werden. Warum ist das so?

Bouldern ist maximalkräftig und dynamisch – so wie junge Menschen häufig auch.
Klettern ist ausdauernd und kontrolliert – ähnlich wie ältere/reifere Menschen.

Aufgrund der Sturzkonsequenzen tendieren Kletterer grundsätzlich zu statischen und kontrollierten Bewegungen – im Unterschied zu den dynamischen, explosiven Bewegungen beim Bouldern.

Bouldern ist dynamisch:

6. Ausrüstung

Klettern braucht etwas mehr an Ausrüstung. Es sei aber gesagt, dass eine Kletterausrüstung zwar nicht ewig hält, aber oft eine sehr lange Lebensdauer hat. 

Bouldern – 3 Dinge, die Du brauchst

1.Kletterschuhe
Kletterschuhe bzw. Boulderschuhe können geliehen werden, sind aber meist das Erste was sich Neulinge an Kletterausrüstung kaufen.

Der Kauf des richtigen Kletterschuhs gleicht einer Wissenschaft – wir haben alles was Du brauchst um den richtigen zu finden in unserem Kletter- & Boulderschuh-Guide zusammengefasst. 

2 & 3. Chalkbag + Chalk
Chalk ist Magnesiumpulver und dient dazu feuchte Hände trocken zu halten. Trockene Hände = guter Grip. Das Pulver wird in einem kleinen Beutel (Chalkbag) aufbewahrt und ist immer griffbereit. 

Zusätzliche Ausrüstung zum Bouldern, wie eine Boulder-Bürste zum abbürsten der Griffe (für mehr Grip), elastische Boulderhosen und preiswerte Crashpads findest Du auf unserer Empfehlungsseite.   

Klettern – 5 Dinge, die Du brauchst

1. Kletterschuhe
(Gleich wie beim Bouldern, siehe oben)

2. Chalkbag + Chalk
(siehe oben)

3. Kletterseil + Ropebag
Ein 60 oder 70 m Kletterseil + Seilsack für den Transport 

4. Klettergurt
Über den Klettergurt bist Du mit Seil und Seilpartner verbunden. 

5. Sicherungsgerät + Karabiner
Sicherungsgeräte gibt es viele – egal für welches Du Dich entscheidest, lerne und trainiere den Umgang mit dem Gerät bis die richtige Sicherungstechnik automatisiert ist.  

Wir haben eine übersichtliche Packliste für das Hallenklettern zusammengestellt.

Zusätzlich für Outdoor Klettern/Felsklettern

6. Expressschlingen
Expressen dienen als Zwischensicherung und gehören für das Felsklettern zur Standardausrüstung. In der Halle werden keine eigenen Expressen benötigt, da diese bereits fix in der Kletterwand verankert sind. 

7. Bandschlinge + Karabiner
Bandschlinge und Karabiner werden zur Selbstsicherung am Stand bzw. für das Umbinden am Standplatz verwendet. Was das alles zu bedeuten hat und wie das geht, findest Du in unserem “Felskletter 1x1” wo alles mit Bildern und Videos ins Detail beschrieben wird. 


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Wir haben 14 Gurte getestet – die Gewinner findest Du im aktuellen Klettergurt-Test.

Klettergurte im Test
Alle Testsieger im Detail.

7. Unterschiede – Gefahren und Sicherheit

Was ist gefährlicher, Bouldern oder Klettern?

Bouldern ist statistisch gesehen gefährlicher – Fehler beim Klettern sind fataler. 

Klettern & Bouldern in der Halle

Bouldern
Eine 2017 durchgeführte Studie des DAV (Deutscher Alpenverein) zeigt, dass es beim Bouldern (im Unterschied zum Sportkettern) zu mehr Verletzungen kommt. Die Ergebnisse beziehen sich auf das Klettern und Bouldern in der Halle. Die häufigsten Verletzungen betreffen die unteren Extremitäten – ganz genau gesagt – das Sprunggelenk. Die meisten Verletzungen passieren bei der Landung. 

Klettern
Wird beim Klettern bzw. Sichern gepatzt kann es zu gefährlichen Bodenstürzen kommen. Diese passieren zwar relativ selten, enden aber meist im Krankenhaus. Die Verantwortung des Sichernden ist beim Klettern um ein Vielfaches höher, eine makellose Sicherungstechnik umso wichtiger.

Klettern Outdoor
Loses Gestein und brüchiger Fels sind keine Seltenheit, daher ist beim Felsklettern zusätzlich ein Helm ratsam. Beim Bouldern ist kein Helm nötig, da die Felsbrocken meist überschaubar sind und es im Unterschied zu riesigen Felswänden gewöhnlich zu keinen unerwarteten Vorfällen kommt.

8. Alleine? – Klettern vs. Bouldern

Bouldern kann man alleine
Obwohl bouldern in der Gruppe mehr Spaß macht, kannst Du ohne weiteres alleine bouldern – den ganzen Tag, jeden Tag. 

Klettern – Seilpartner
Es gibt zwar auch Möglichkeiten alleine zu klettern, (Sicherungsautomaten in der Halle oder Selbstsicherung) wobei Letzteres sicherungstechnisch sehr anspruchsvoll ist und nur für sehr erfahrene Kletterer empfohlen wird. Grundsätzlich kann man nur zu zweit klettern!

Seilschaft und gemeinsames Sturztraining
Das Zusammenspiel einer Seilschaft ist wichtig vor allem dann, wenn es ans Limit geht, wo Stürze zum Alltag gehören. Du möchtest Deinem Kletterpartner zu 100 % vertrauen können. Gemeinsames Sturztraining ist sowohl für den Sichernden als auch den Kletternden eine sehr, sehr gute Idee. Die Anleitung dazu findest Du in “Klettern Sturztraining. 9 Schritte-Guide der funktioniert!”.

Klettern oder bouldern – was ist besser für mich?

Wenn Du Anfänger bist dann probiere einfach beides aus und Du wirst ziemlich schnell merken was Dir besser liegt. Hier nochmal ein paar grobe Hinweise: 

Bouldern
Generell ist Bouldern maximalkräftiger und dynamischer. Kräftige Personen mit guter Körperspannung werden sich beim Bouldern auf Anhieb wohler fühlen. Bouldern erfordert kaum Einschulung und “ungeduldige” Energiebündel können gleich loslegen und sich abreagieren. Bouldern kannst Du natürlich gestalten wie Du willst… ich denke aber, wenn Du sehr gesellig und kommunikativ bist, wirst Du Dich in einer Boulderhalle pudelwohl fühlen. 

Klettern
Generell ist klettern ausdauernder, gelenkschonender und schwächere bzw. Menschen reiferen Alters werden sich hier wohler fühlen, da sich beim Klettern schneller Erfolgserlebnisse einstellen werden. Hinzu kommt etwas Kopfarbeit, wenn es an das Erlernen der korrekten Sicherungstechnik geht. Etwas Geduld und Muse, um die Sicherungstechnik zu perfektionieren, ist gut investierte Zeit. Dazu kommt der ganze psychische Aspekt des Klettern (siehe Kapitel Psyche)…wem das Spaß macht, der ist beim Klettern gut aufgehoben.  

Was ist besser? Entscheide selbst.