Klettern Anfänger

Klettern Anfänger | 16 TIPPS | Ausrüstung – Technik – Kosten…

Es ist nun schon viele Jahre her als ich meine ersten Kletterversuche gestartet habe. Damals war ich völlig ahnungslos und unvorbereitet.

Als Kletter-Anfänger gibt es Vieles zu beachten, damit Euch der Einstieg leichter fällt habe ich hier alles Wissenswerte zusammengefasst. 

Klettern für Anfänger

Klettern ist mehr als nur eine Sportart fürs gelegentliche Fitness-Training. Klettern ist der Einstieg in eine ganz neue Welt des Abenteuers.

  • Über kurz oder lang werdet Ihr immer mehr Zeit in der Natur verbringen.
  • Klettern öffnet Euch Türen zu wunderschönen Plätzen die Ihr sonst nie entdeckt hättet.
  • Die Kletter-Community ist gespickt mit interessanten Persönlichkeiten und Freigeistern aus allen Lebensbereichen.
  • Klettern macht Euch körperlich und mental stärker und beweglicher, es ist abwechslungsreich und das Training macht einfach richtig viel Spaß.

Vorteile des Kletterns

Klettern Sardinien Italien
Viele Klettergebiete sind wunderschön.
Klettern-abnehmen-spaß
Klettern macht fit.
Mentaltraining positiv Klettern
Klettern weckt Lebensfreude und Emotion.
Klettern Sturztraining Sturzangst
Klettern trainiert die Psyche.

Für wen eignet sich Klettern?

Jeder kann klettern vom Kind bis zum Senior, vom Schwergewicht bis zur Bohnenstange. (sogar Menschen mit Höhenangst) 

Beim Klettern ist Kraft nicht alles! Technik, Beweglichkeit, Ausdauer und mentale Stärke sind genau so wichtig. Das ist auch der Grund dafür, dass in dieser Sportart Frauen zu ähnlichen Leistungen fähig sind wie Männer. 


8 Technik Tipps für Kletter-Anfänger

Wir starten gleich mit dem wichtigsten Tipp für Einsteiger:

Fußtechnik 1

Klettert aus den Beinen nicht aus den Armen. Hier könnt Ihr speziell am Anfang die meiste Kraft sparen. Fast alle Einsteiger (vor allem wenn sie sportlich sind und Kraft haben) neigen dazu, sich mit den Armen hoch zu ziehen, anstatt sich mit den Beinen hochzudrücken.

Klettertechnik-Bouldertechnik-Beinarbeit

Eure Beine haben wesentlich mehr Power als eure Arme und wenn Ihr diesen Tipp von Anfang an beherzigt seid Ihr immer eine Nasenlänge voraus. 


Fußtechnik 2 

Mit den Zehen leise ansteigen und die Fersen senken.
Versucht nicht den ganzen Fuß plump auf den Tritt zu stellen sondern steigt leise und behutsam mit den Zehenspitzen auf. Senkt dabei Eure Fersen etwas nach unten ab, das erhöht den Grip und spart Kraft. Kletterschuhe sind dafür konzipiert die Kraft über die Zehenspitzen auf die Tritte zu übertragen. 

Klettertechnik tipps sauber steigen
Mit den Zehenspitzen ansteigen.
Klettertechnik tipps sauber steigen
So steigen nur Anfänger 😉

Ein Kletterschuh den ich für Einsteigern gerne empfehle, ist der Katana von La Sporitva.
Ich bin selber Jahre lang damit geklettert und greife auch jetzt immer wieder auf den Katana zurück. Idealer Allround Kletterschuh. (Auch in der Damenversion erhältlich)

La Sportiva Katana Boulderschuh
La Sportiva – Katana

Lange Arme

Je schwerer und länger die Kletterroute, desto wichtiger ist es kraftsparend zu klettern. Wenn Ihr für jede Bewegung alle Eure Muskeln anspannen müsst, werdet Ihr auf Dauer nicht weit kommen.

Klettern mit langen Armen aktiviert nur jene Muskelgruppen die auch wirklich gebraucht werden. Es sieht nicht nur eleganter aus, sondern es ist auch entspannter und viel effektiver mit langen Armen zu klettern. Ihr wollt Euch mit so wenig Anspannung und Aufwand wie möglich an den Griffen halten, nur so sind lange und schwierige Kletterrouten überhaupt möglich. 

Klettertechnik tipps lange Arme
Lange Arme sparen Kraft.
Klettertechnik tipps lange Arme
Unnötiger Kraftverlust!

Hüfte nahe zur Wand

Versucht Euch über die Zehenspitzen so nahe wie möglich an die Wand zu ziehen. Je näher der Körperschwerpunkt an der Wand liegt, desto kraftsparender und effektiver werdet Ihr klettern. Ist die Hüfte nahe an der Wand könnt Ihr die Beine belasten und die Arme entlasten.

Klettertechnik tipps Hüfte m1
Richtig! Hüfte zur Wand.
Klettertechnik tipps hüfte m
Falsch! Hüfte weg von der Wand.

Lasst Euch nicht von irgend einem Arsch runterziehen, auch nicht von Eurem eigenen. 


Rastpunkte finden

Nutzt jede Gelegenheit um wieder Kraft zu tanken. Manchmal sind Rastpunkte offensichtlich, zum Beispiel ein großer Griff an dem Ihr Euch mit einer Hand halten könnt während Ihr der anderen eine Pause gönnt. Manchmal sind Rastpunkte “versteckt” und nur dann hilfreich, wenn Ihr Euren Körper entsprechend positioniert


Atmen 

Anfänger aber auch Profis machen diesen Fehler immer wieder. Sie befinden sich in einer schwierigen Sequenz, sind voll konzentriert und vergessen dabei auf die Atmung. Auch mir passiert das immer wieder, speziell nach einer längeren Kletterpause. Versucht vom Einstieg weg eine tiefe und bewusste Atmung aufrecht zu erhalten. 


Als Einsteiger brauchst Du nicht das teuerste Kletterseil… ABER –
Ein allzu günstiges Seil kann (wie unser Test gezeigt hat) weder mit dem Handling noch mit der Lebensdauer der guten Seile mithalten. Den besten Kompromiss aus Preis und Leistung findest Du im aktuellen Kletterseil-Test.

Kletterseil Test Kaufen

Zeit lassen 

Gerade Anfänger steigen in eine Route ein und es scheint als wollen sie es so schnell wie möglich wieder hinter sich bringen. Lasst Euch Zeit. Klettert bewusst jede einzelne Bewegung bis ganz nach oben. Atmet, und nehmt wahr was passiert.

Erinnert Euch selbst daran indem Ihr es wie ein Mantra wiederholt: Lass Dir Zeit… ruhig. In einem ruhigen und entspannten Zustand werdet Ihr geschmeidiger, eleganter, effektiver und besser klettern. 


Sturztraining – Klettern Anfänger

Beginnt so früh wie möglich mit dem Trainieren von einfachen, kontrollierten und sicheren Stürzen. So könnt Ihr Vertrauen zum Sicherungspartner aufbauen und langsam die Angst vor dem Fallen reduzieren.

Sturzangst-Titlebild
Sturztraining – 12 Schritte Anleitung

Hier findet Ihr eine komplette Anleitung für Sturztraining.


8 nützliche Tipps für Kletter-Anfänger

1. Schwierigkeitsgrad

In welchem Schwierigkeitsgrad klettern Einsteiger? Es gibt verschiedene Schwierigkeitsskalen, die bei uns am häufigsten Anzutreffenden sind:

a.) Französische Skala (von 5a, 5b, 5c, 6a, 6b, 6c, 7a, ….bis aktuell 9c)
b.) UIAA Skala (von V-, V, V+, VI- VI, VI+… bis aktuell XII)

Der typische Schwierigkeitsgrad für Anfänger liegt im Bereich 5a-5c. (Laut UIAA Skala: V-VI Schwierigkeitsgrad) Die schwierigste Kletterroute der Welt ist eine 9c (12)!!


2. Klettern und Muskelkater

Anfangs ist vor allem die Fingerkraft (Unterarme) der limitierende Faktor beim Klettern. Das ist üblicherweise auch da wo man nach den ersten Kletterversuchen den Muskelkater am meisten spürt. Die Fingerkraft nimmt aber rasch zu und im Endeffekt wird der ganze Körper (Körperspannung) beansprucht.

Eine schnelle Regeneration nach dem Klettern ist für Anfänger und Profis interessant, Mehr dazu auf: Klettern-Regeneration. 15 Tipps für schnelle Regeneration. In diesem Artikel findest Du sicher den Einen oder Andere hilfreichen Tipp.

Klettern und Bouldern Regeneration
Unbekannte Tipps zur Regeneration

3. Kletterpartner finden

Kletterpartner findet Ihr in Kletterhallen (Ausschreibungen beachten) und auf Kletterportalen. Gute Freunde von mir haben sich sogar auf einem Kletterdate kennen und lieben gelernt. Was nicht wirklich überraschend ist, da Klettern und Sichern viel mit Vertrauen zu tun hat.

Dennoch rate ich Euch klettert nur mit Personen die auch wirklich wissen wie man sichert! Ich habe auch da meine Erfahrungen gemacht, und sie haben mit einem Fersenbeinbruch geendet.

Nur weil jemand sagt, dass er/sie sichern kann, muss das nicht unbedingt der Fall sein. Sichern ist eine komplexe Angelegenheit die viel Übung erfordert. Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser.

Gesichert wird “dynamisch” – so wird der Stürzende sanft abgefangen:


4. Kletter-Anfänger lernen am schnellsten durch Klettern

Für die Ehrgeizigen unter Euch… am Anfang Eurer Karriere ist das beste Training das Klettern selbst. Speziell am Anfang ist es wichtig sein Bewegungsrepertoire zu erweitern. Die möglichen Bewegungen beim Klettern sind unendlich. Da ist es gut wenn man schnell dazulernt.

Kraft kommt von alleine
Die nötige Kraft und Körperspannung kommen dann von ganz allein. Spezifisches Training wird erst nach 1-2 Jahren klettern notwendig und interessant. 


5. Kommunikation mit dem Seilpartner 

Viele Kletterer lieben diesen Sport weil sie draußen in der Natur sind und die Ruhe genießen. Da macht es sich nicht gut wenn zwei Neulinge quer durch den Klettergarten schreien, weil sie nicht sicher sind was zu tun ist.

Einfach und klar Kommunizieren
Außerdem ist eine einfache und klare Kommunikation beim Klettern das beste Mittel um Unklarheiten und Missverständnisse zu vermeiden. Hier ein paar Vorschläge gängiger Kommandos die für klare Kommunikation sorgen:

  1. Zug oder Zu! (Seil einziehen, der Kletterer möchte rasten oder ist unsicher)
  2. Seil! (Seil ausgeben, wenn der Kletterer z.B. zum Klippen mehr Seil benötigt)
  3. Ab! (Der Kletterer hat den Umlenker (ganz oben) eingehängt und signalisiert dem Seilpartner, dass er abgelassen werden kann. (Wichtig am Fels wenn kein Sichtkontakt besteht)

6. Fingernägel

Sorry Mädels, lange Fingernägel sind zum Klettern ungeeignet. 


7. Haare zusammenbinden

Lange Haare verfangen sich gerne in Sicherungsgeräten, Expressen oder im Seil. Klettert sicher, klettert mit Haargummi.


Lust auf eine neue Kletterhose?
Aber welche?
Wir haben Boulder- bzw. Kletterhosen getestet. Die Top 9 Hosen stellen wir in unserem Test vor.

Kletterhosen Bouderhosen im test
Die besten Hosen | Damen & Herren

Kletter-Ausrüstung für Anfänger

Für den ersten Klettertag in der Halle braucht Ihr nichts außer Trainingsbekleidung mit genügend Bewegungsfreiheit. Das nötige Material (Seil, Schuhe, Gurt, Karabiner, Sicherungsgerät) könnt Ihr Euch vorerst in der Kletterhalle ausleihen. 

Habt Ihr Eure ersten Erfahrungen gesammelt und Klettern macht Euch Spaß, dann ist es Zeit in die eigene Ausrüstung zu investieren. (Außerdem spart Ihr Euch die ständige Leihgebühr).

Klettern-Anfänger-Ausrüstung-Basics
Kletterausrüstung für Anfänger

Alle Einzelheiten der Kletterausrüstung findet Ihr weiter unten ausführlich beschrieben. Weiter geht es mit hilfreichen Kletter-Tipps für Anfänger.


Klettern RICHTIG und SICHER lernen

Mein erster Tipp: macht einen Kletterkurs! 

Um Klettern zu lernen gibt es grundsätzlich 3 Möglichkeiten. 


1- Ihr bringt es Euch selbst bei.  

Nachteil: Es dauert länger und kann gefährlich sein. Am meisten lernen wir angeblich aus unseren eigenen Fehlern. Das mag ja stimmen, aber 20 m über dem Boden ist kein Platz für Fehler. Also spart Euch Zeit und Nerven, besucht einen Kurs und lernt wie Ihr sicher klettert. 


2. Ihr kennt jemanden der Euch Klettern beibringen kann.

Nachteil: Es kann unter Umständen gefährlich sein (kommt auf Euren Lehrmeister an). Wenn Euer Lehrer nicht ganz genau weiß was er/sie tut, dann lernt Ihr womöglich etwas Falsches und bringt Euch und Eure Seilpartner in Gefahr. 


3. Kletterkurs – Ideal für Kletter-Anfänger

Die sicherste, schnellste und beste Art das Klettern zu lernen. Macht einen Kurs:

  • Kletterhalle
  • Alpenverein
  • Bergführer

Klettern kann man nur zu zweit. Ein Kletterkurs macht Spaß und ist die ideale Möglichkeit um neue Leute bzw. zukünftige Seilpartner kennen zu lernen.
– Meine Empfehlung! 


Klettern Anfänger – Halle oder Fels?

Klettern lernt Ihr am schnellsten, einfachsten und am sichersten in einer professionellen Kletterhalle. Dort lernt Ihr alle Grundlagen und sicherheitsrelevanten Aspekte des Kletterns in einer sicheren und unkomplizierten Umgebung. Später könnt Ihr dieses Wissen dann nach draußen auf den Fels übertragen. 

Was sind die Unterschiede?

Halle

Aufbautraining Klettern Bouldern
  • Expressen hängen bereits fix in der Wand.
  • Hakenabstände sind standardisiert, also immer gleich.
  • Seilverlauf ist gerade. Keine Seilreibung. 
  • Wird mit Sicherheit regelmäßig gewartet.
  • Kein Helm nötig.
  • Griffe und Tritte sind offensichtlich und leicht zu erkennen, da sie mit verschiedenen Farben gekennzeichnet sind.
  • Umlenker bestehen fast immer aus zwei fixen Karabinern zum Klippen. 

Fels

Mentaltraining klettern
  • Bohrhaken sind vorhanden,
    die Expressen dürft Ihr aber selbst anbringen.
  • Hakenabstände variieren je nach Felsstruktur und Beschaffenheit.
  • Seilverlauf ist nicht immer gerade daher kann Seilreibung entstehen. Dies kann mit längeren Expressschlingen ausgeglichen werden. 
  • Viele Klettergärten werden zwar regelmäßig gewartet aber lange nicht alle und überall. 
  • Helm tragen ist ratsam. Naturfels kann ausbrechen, Tier oder Mensch können oberhalb der Felswand Steine lostreten. 
  • Griffe und Tritte sind oft schwerer zu erkennen und es braucht etwas Übung um die richtigen Bewegungsabläufe zu finden.
  • In manchen Klettergebieten bestehen die Umlenker aus zwei Stand-Bohrhaken. In diesem Fall muss der Kletterer das Seil oben “umbinden”. (Keine große Sache, aber man sollte darauf vorbereitet sein).

Klettern in der Halle oder doch lieber am Fels?
Völlig egal für was Du Dich entscheidest, wir haben Kletterrucksäcke für jede Form des Kletterns getestet. Die Gewinner findest Du im aktuellen Kletterrucksack-Test.

KletterRucksack - Test

Ist Klettern gefährlich?

Ja, Klettern ist ein potentiell gefährlicher Sport. Die Gefahren beim Klettern lassen sich aber durch richtige Sicherungsmaßnahmen minimieren. 

Gefahrenquelle Nr. 1 sind Fehler beim Sichern. Richtiges Sichern muss gelernt und geübt werden. Eine professionelle Einschulung ist unbedingt erforderlich.   


Was kostet es mit dem Klettern anzufangen?

Klettern-Anfänger-Kosten-Ausrüstung
Ungefähre Kostenaufstellung für eine gute Ausrüstung

Grundlegende Kletterbegriffe 

Anseilen/Einbinden:
Der Kletternde bindet sich mittels Achterknoten ins Kletterseil ein.

Achterknoten/ Doppelter-Bulinknoten
Knoten um Seil mit Gurt zu verbinden. 

Partnercheck-Sturztraining-Klettern
Achterknoten

Expressen
Zwischensicherungen die durch Bohrhaken mit der Wand verbunden sind. 

Klippen/Einhängen
Das Kletterseil wird in die Expressen eingehängt/geklippt.

Umlenker / Ablasspunkt.
Ein Fixpunkt (meist Zwei Karabiner) am Ende der Route, von dort aus wird der Kletternde wieder abgelassen.

Klettern-Anfänger-Umlenker
Umlenkpunkt (nicht ganz ideal, da kein Schraubkarabiner)

Toprope
Der Kletterer ist über den Umlenker ständig gesichert. (Anfänger)

Vorstieg
Der Kletterer muss selbst die Zwischensicherungen einhängen und das Seil bis zum Umlenker hochbringen. Stürze sind möglich.(Fortgeschritten)

Toprope vs. Vorstieg-Indoor
Toprope vs. Vorstieg

Grundausrüstung – Klettern Anfänger


Kletterschuhe

Zugegeben der Kauf von Kletterschuhen kann anfangs etwas verwirrend sein, da es für fast jede Spielform des Kletterns spezielle Schuhe gibt.

Auch wenn Ihr sportliche Naturtalente seid, empfehle ich beim ersten Kauf immer einen Anfänger Schuh zu kaufen. 

Vorteile Anfängerschuh
Anfänger Schuhe sind im Verglich zu “Profi-Schuhen” etwas anders geformt, haben eine dickere Sohle und sind insgesamt bequemer zu tragen. Außerdem sind Anfängerschuhe günstiger

Vorspannung
Der ideale Schuh für Anfänger ist einer mit geringer Vorspannung. Schuhe mit extremer Vorspannung sind wesentlich unbequemer und bringen für Anfänger absolut keine Vorteile.

Boulderschuhe-kaufen-Vorspannung
Vorspannung: Anfänger vs. Experte

Exaktes und präzises Steigen auf kleinsten Tritten erfordert viel Körperspannung und Können.

Passform
Bitte kauft Euch keine zu engen Schuhe! Klar der Schuh sollte sitzen und den Fuß ohne Hohlräume eng umschließen. Er sollte auch nicht zu groß sein weil Ihr sonst von den kleinen Tritten abrutscht.

Aber wenn der Schuh zu eng ist, dann werdet Ihr spätestes nach der zweiten Route solche Schmerzen haben, dass Ihr gar nicht mehr klettern könnt.

Kletterschuhe werden ohne Socken getragen (mehr Gefühl). 

Auf unserer Empfehlungsseite findet Ihr ein paar Beispiele für gute Anfänger-Kletterschuhe.


Alles was Ihr über Anfänger-Kletterschuhe wissen müsst findest Du auf: Boulderschuhe & Kletterschuhe für Anfänger. Finde den Richtigen! Dort lernst Du von “Downturn” bis “Toepad” alle Details – und danach wirst Du mehr über Kletterschuhe wissen, als 90 % aller Kletterer.

Kletterschuhe und Boulderschuhe
Der Kletterschuh Guru

Klettergurt

Klettergurte haben eine relativ lange Lebensdauer und hier lohnt es sich etwas vorausschauend zu kaufen. Je nach Anwendungsgebiet unterscheiden sich die Gurte:

Leichter Sportklettergurt (300g).
Bequemer gut gepolsterer Klettergurt (500g).
  • Gewicht/Komfort. Mehr Gewicht = Mehr Komfort. Vor allem wenn man lange im Gurt sitzt (Alpinklettern, Big Wall) lohnen sich breiterer Hüftgurt und Beinschlaufen. 
  • Einstellungsmöglichkeiten (Beinschlaufen, Hüftgurt)
  • Materialschlaufen (beim Alpinklettern hat man mehr Material am Gurt)  
  • Sportklettergurte sind grundsätzlich etwas leichter, haben weniger Einstellmöglichkeiten und weniger Materialschleifen. 
  • Alpin/ Mehrseillängen. Gurte sind besser gepolstert, haben mehr Einstellungsmöglichkeiten (Beinschlaufen können angepasst werden) und mehr Materialschlaufen. Etwas schwerer dafür komfortabel. 

Für Anfänger empfehle ich ein bequemeres Modell mit gepolstertem Hüftgurt bzw. breiteren Beinschlaufen. Meinen ersten Gurt (Petzl Adjama) hatte ich fast 5 Jahre und habe damit vom Sportklettern über Mehrseillängen bis zum Eisklettern alles gemacht. Mittlerweile habe ich einen leichteren Gurt zum Sportklettern und einen bequemen zum Alpinklettern


Die neuen Klettergurte werden immer leichter und besser.
Wir haben 14 Gurte getestet – die Gewinner findest Du im aktuellen Klettergurt-Test.

Klettergurte im Test
Alle Testsieger im Detail.

Sicherungsgerät und Karabiner

Man unterscheidet grob zwischen “halbautomatischen” und “dynamischen” Sicherungsgeräten. Für Anfänger geht die Empfehlung klar in Richtung halbautomatischer Sicherungsgeräte (Halbautomaten).

“Halbautomatisch” bezeichnet Geräte mit Blockierunterstützung, während sogenannte dynamische Sicherungsgeräte keine Blockierunterstützung bieten. 

GriGri + Petzl Sicherungsgerät Klettern
Halbautomat – Sportklettern
Black-Diamond-ATC
Dynaimsch – Mehrsellängen

Für das Sprotklettern immer Halbautomatische-Sicherungsgeräte
Dynamische Sicherungsgeräte
sind im Mehrseillängen-Bereich von Vorteil, beim Sportklettern oder in Kletterhallen haben Halbautomaten einen Sicherungsvorteil (Empfehlung des DAV Deutscher Alpenverein). 

Halbautomaten erhöhen aufgrund ihrer Blockierunterstützung die Chance, dass trotz Sicherungsfehler ein Bodensturz verhindert wird. 

Mein Favorit für Anfänger und Fortgeschrittene
Es gibt viele gute Geräte auf dem Markt. Ich persönlich verwende das GriGri von Petzl. Es ist zwar eines der teureren Geräte aber die Investition lohnt sich auf jeden Fall. Egal für welches Gerät Ihr Euch entscheidet, jedes Sicherungsgerät hat seine Eigenheiten, die Ihr kennen und beherrschen müsst. Eine qualifizierte Ausbildung und Üben unter Aufsicht sind unerlässlich.

Karabiner

Der Karabiner verbindet den Klettergurt mit dem Sicherungsgerät.
Der DAV teilt die Verschlusssicherheit in drei Kategorien ein: Niedrige- mittlere und hohe Verschlusssicherheit. In die Kategorie mit der niedrigsten Sicherheit fallen auch die klassischen Schraubkarabiner. 

Um ganz sicher zu gehen empfehle ich daher sogenannte “Safe Lock” Karabiner mit hoher Verschlusssicherheit. Darunter fallen: 

Ball-Lock
Slider Safelock
Belay Master

Manche Gerätehersteller geben Empfehlungen für den passenden Karabiner oder der richtige Karabiner wird gleich mitgeliefert. Haltet Euch an die Vorgaben des Herstellers und seid save. 

Meine persönliche Kombi: Petzl GriGri + Belay Master.


Kletterseil

Das richtige Kletterseil für Anfänger ist das sogenannte “dynamische Einfachseil”. Dynamisch deswegen weil sich das Seil im Falle eines Sturzes dehnt und damit den Fangstoß vermindert.

Wo klettere Ich? Nur in der Halle. Nur draußen am Fels oder beides?

Kletterseil für die Halle
Für reine Hallenkletterer gibt es spezielle Hallenseile die einen hören Mantelanteil aufweisen und dadurch etwas schwerer dafür aber langlebiger sind. Optimal für die Halle ohne lange Zustiege zur Kletterwand. 

Leichteres Seil für Outdoor
Wer früher oder später auch draußen klettern will braucht ein solides Allround-Sportkletterseil. Ein sehr dünnes, leichtes und imprägniertes Seil ist für Anfänger nicht nötig. Ich empfehle ein etwas dickeres Seil ohne Imprägnierung da man sich beim klassischen Sportklettern meist im trockenen befindet (Imprägnierung wird erst bei Alpinen Unternehmungen interessant). 

Mein Einsteiger-Tipp: 

Seildicke
10 mm (dickere Seile haben etwas mehr Bremswirkung, was für Anfänger ganz angenehm ist)

Seillänge
Für reine Hallenkletterer reicht ein 30 – 50 m Seil (je nach Höhe der Halle).
Für Sportklettern am Fels empfehle ich ein 70 m Seil (für die meisten Routen reicht zwar ein 60 m Seil, aber je nach Klettergebiet findet man auch oftmals längere Routen. Mit 70 m sied Ihr auf der sicheren Seite. 

Mittelmarkierung ist praktisch
Die meisten Seile sind in der Mitte markiert. Die Mitte darf im Vorstieg nicht überklettert werden, da sonst das Seil beim Ablassen zu kurz ist. Ein Knoten am Seilende verhindert mögliche Sicherungsfehler. 


Chalk Bag

Hierbei handelt es sich um einen kleinen mit Magnesium-Pulver (Chalk) gefüllten Beutel, den man sich an den Gurt hängt. Sind die Finger feucht rutscht man unweigerlich von den kleinen Griffen ab. Das spezielle Pulver erhöht den Grip bei schwitzigen Händen und verhindert so ein Abrutschen

Chalk bag klettern
Das Chalk Bag gehört zu Standardausrüstung.

Chalk
Chalk hat kein Ablaufdatum und wer es in größeren Mengen kauft spart Geld. Ich habe ein gutes und günstiges Chalk auf Amazon gefunden und in unseren Empfehlungen verlinkt. (Damit habt Ihr genug Chalk für ein ganzes Jahr)


Expressen

Expressen, Expressschlingen oder kurz “Exen” sind das Bindeglied zwischen Seil und den Bohrhaken in der Felswand. Falls Ihr (vorerst) nur in der Halle klettert, braucht Ihr Euch um das Thema Expressen keine Gedanken zu machen. Wollt Ihr aber draußen im Klettergarten klettern, gehören Expressen zur Standardausrüstung.

In der Kletterhalle sind Erpressen fix angebracht, am Fels dürft Ihr Eure Zwischensicherungen selbst einhängen. Für den Einsteiger eignen sich grundsätzlich alle gängigen Express-Sets. 

Tipp: Besorgt Euch 3-4 Expressen mit längeren Schlingen um den Seilverlauf zu begradigen und die Seilreibung zu minimieren. 

Je nach Routenlänge braucht Ihr zwischen 8 und 15 Expressen. Kauft euch 15 und seid auf der sicheren Seite. Merke: lieber eine Exe zu viel am Gurt als eine zu wenig!


Kennst Du dieses komische Gefühl wenn Du mit “fremden” Expressen kletterst?
Irgendwie klettert jeder lieber mit seinen eigenen Exen. Wir haben die besten getestet – die 5 Gewinner stelle ich im aktuellen Expressen Test vor.

Expressschlingen klettern Test
Exen im Test

Kletterhelm

Sobald Ihr draußen am Fels klettert gehört ein Helm in den Rucksack. Griffe und Tritte können unter Belastung ausbrechen, lose Gesteinsbrocken können unabsichtlich losgetreten werden. Das dem Sichernden kleinere (oder größere) Steine um die Ohren fliegen passiert zwar nicht oft, aber es passiert immer wieder.

Ich selbst hatte schon ein paar mal “Glück” als mich Tennisball große Brocken knapp verfehlt hatten. Ein guter Helm macht den Unterschied zwischen schwerer Verletzung oder leichter Schramme.

Tipp: Achtet unbedingt auf die Passform! Testet vor allem das nach “oben schauen”. Wenn der Helm nicht perfekt sitzt dann ist es nicht der Richtige. 2 Helme die gut sitzen, leicht und stabil sind findet Ihr auf unserer Empfehlungsseite.


Nützliche Zusatzausrüstung (optional) 

Seilsack (Rope bag)
Um das Seil zu transportieren und sauber zu halten bzw. vor Beschädigung zu schützen (Outdoor) lohnt es sich in einen Seilsack zu investieren. Es gibt auch ein paar praktische All-in-one Rucksäcke fürs Klettern die genial sind.

Persönlich benutze ich den Stone Duffel 42 L. Der ist ideal für kurze Unternehmungen, für einen ganzen Klettertag am Fels, finde Ihn aber eine Spur zu klein. Deswegen empfehle ich Euch den Creek 50 L von Black Diamond da passt vom Seil bis zur Jause (Snack, Brotzeit) alles rein.

Sicherungsbrille
Ich war lange zu geizig mir diese Brille zu kaufen, hab es aber dann doch getan (eigentlich hat meine Freundin sie gekauft) nichts desto trotz, liebe ich das Teil.

Es ist eine Spiegelbrille mit der Ihr nicht ständig hochschauen müsst um Euren Seilpartner im Auge zu haben. Ihr steht ganz gemütlich da und habt jede Bewegung voll im Blick. Die Brille funktioniert ausgezeichnet, schont Euren Nacken und bald werdet Ihr nirgends mehr ohne Eure Spiegelbrille klettern gehen. 

Spiegelbrillen sind mehr als nur ein “nice to have”. In meinem Beitrag über Haltungsschäden gehe ich auf die Lanzeitschäden die auf schlechte Haltung beim Sichern (überstreckter Nacken) zurückzuführen sind.

Kletterhose
In eine gute Kletterhose zu investieren lohnt sich auf jeden Fall. Die Teile sind f und vor allem fürs Klettern gemacht, das heißt die Bewegungsfreiheit wird großgeschrieben. Es ist einfach nur nervig wenn Ihr das Bein nicht hochbekommt weil die Hose spannt oder blockiert. 

Tipp: Probiert mehrere Hosen aus, weite Hosen bieten nicht unbedingt mehr Bewegungsfreiheit. Ich persönlich klettere momentan mit dieser BLACK DIAMOND –  Stretch Font Pants und bin sehr zufrieden. 

Klar funktioniert auch jede andere Hose die Euren Bewegungsradius nicht einschränkt, von der Badehose bis zur stinknormalen Jeans hab ich alles schon gesehen. 

Meine Lieblings-Ausrüstung findet Ihr auf unserer Empfehlungsseite.


Unterschiedliche Spielformen des Kletterns


Klettern/Sportklettern

Seil, Expressen, Bohrhaken und andere Hilfsmittel dienen nur zur Sicherung werden aber nicht zur Fortbewegung benutzt. Die Kletterwandhöhe liegt zwischen 8 und 30m. Beim Sportklettern wird der Kletternde über die sogenannte Partnersicherung mit einem Seil gesichert. Hier bilden zwei Personen eine Seilschaft. Im Falle eines Sturzes wird der Kletternde von seinem Seilpartner gehalten. Die Kletterei ist im Vergleich zum Alpinklettern athletisch und liegt nahe am Limit. Gefragt sind je nach Länge der Route Kraft und Kraftausdauer.

Klettern Ponte Brolla Tessin

Bouldern 

Beim Boulder (engl. Felsbrocken) wird in Absprunghöhe geklettert. Aufgrund der relativ geringen Höhe, wird ohne Gurt und Seilsicherung geklettert. Komplexe Sicherungstechnik fällt weg und der Focus liegt auf relativ kurzen (ca. 6-8 Züge) maximal schwierigen Zügen. Das Austüfteln der einzelnen Züge und Bewegungsabläufe macht in der Gruppe noch mehr Spaß und so würde ich Bouldern generell als die geselligste Kletterform bezeichnen. 

Spotten Bouldern Sicherheit
Klettern in Absprunghöhe.

Alpinklettern/Mehrseillängen

Hier werden hohe Felswände (70m und Aufwärts) in mehreren Seillängen von einer Seilschaft (meist 2 Personen) geklettert. Die Routen können in verschiednen Begehungsstilen geklettert werden:

Struzangst überwinden klettern
  • frei (fixe Haken und mobile Sicherungen werden nur zur Absicherung benützt)
  • technisch (Hilfsmittel werden auch zur Fortbewegung benutzt
  • clean (Trad klettern) (in der Route befinden sich keine fixen Haken, zur Sicherung dienen nur mobile Sicherungen).

Die Kletterei ist lange und ausdauernd, psychisch anspruchsvoll und erfordert ein hohes Maß an Können und Sicherungstechnik. Viel Know How und Erfahrung sind erforderlich. 

Wenn Du genau wissen willst worauf es beim Mehrseillängen-Klettern ankommt – was Du können musst – und welches Materieal Du dafür benötigst… Dann wird Dir unser Mehrseillängen Guide gefallen.

Mehrseillängen guide Titelbild
Lerne das nächste Level

Free Solo

Beim Free Solo werden Wände allein und ganz ohne Sicherungen geklettert. Psychologisch extrem fordernd!

Filmtipp : Free Solo (Oscargewinner 2018, bester Dokumentarfilm)


Deep water soloing

Hierbei wird an Felswänden über tiefem Wasser geklettert. Auf Sicherungen kann verzichtet werden da der Kletterer bei einem Sturz im Wasser landet. Bei einem ungünstigen Aufprall kann es schon mal schmerzhaft werden. Geklettert wird barfuß (Bild) aber auch mit Kletterschuhen.

Klettern-Anfänger-Deep-water-soloing
Deep Water Soloing

Eisklettern

Klettern an gefrorenem Wasser (Wasserfälle, Gletscher, Eiswände). Geklettert wird mit Seilpartner und Seilsicherung, die Kletterer verwenden Steigeisen und Eispickel für die Fortbewegung. Als Zwischensicherungen werden Eisschrauben verwendet. Technisch sehr anspruchsvoll. Zusätzliche Sicherheitsrelevante Faktoren sind die Eisbeschaffenheit und mögliche Lawinengefahr. Oft sehr, sehr kalt. 

Eisklettern

Weitere Fragen – Klettern Anfänger

Wie lange dauert es bis ich den 7 Grad (UIAA) klettern kann? 
Es dauert je nach Trainingsumfang und Grundsportlichkeit zwischen 1/2 und 3 Jahren bis man den siebten Grad (6b Französisch) solide klettern kann. Vorausgesetzt man trainiert regelmäßig (2x pro Woche), lässt sich der siebte Grad innerhalb eines Jahres erreichen.

Was sind die größten Schwachpunkte von Kletteranfängern?

  • Fingerkraft (Unterarme sind das schwächste Glied der Muskelkette)
  • Körperspannung (Rumpfmuskulatur meist noch schwach)
  • Technik (Beinarbeit, Tritte ansteigen)
  • Bewegungsrepertoire (Eindrehen, seitlich belasten, Balance)
  • Sturzangst ( Angst blockiert und kostet Energie)

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